berg69 und St. Ingbert70 vor, daneben einige reich ausgestattete illustrierte Festschrif¬ ten.71 Die Firmengeschichten haben trotz ihres mehr oder weniger deutlich panegyri¬ schen Charakters doch ihren Wert, weil ihre Autoren Materialien auswerten und verwenden konnten, die uns heute nicht mehr zur Verfügung stehen. Sie sind daher zu Sekundärquellen aufgerückt. In den 1860er Jahren stellte sich für die saarländische Eisenindustrie besonders dringend die Frage der Erzversorgung, nachdem die heimischen Lagerstätten, die das Entstehen einer Eisenindustrie an den rechten Nebenflüssen der Saar ermöglicht hatten, so gut wie erschöpft waren. Geographisch am nächsten lagen die Minet¬ te-Vorkommen in Lothringen und Luxemburg.72 Es waren phosphorhaltige Eisener¬ ze, die sich in den im rheinisch-westfälischen Industriegebiet für die Erzeugung von Qualitätsstahl üblich gewordenen Verfahren nach Bessemer (seit 1855) und Martin (seit 1865) nicht verarbeiten ließen.73 Dennoch wirkte Carl Ferdinand Stumm, der größte Eisenhüttenunternehmer des Saarreviers, im Frühjahr 1871 auf Bismarck ein, mehr Eisenerzfelder als zunächst vorgesehen in das Reichsland Elsaß-Lothringen einzubeziehen.74 Als die englischen Hütteningenieure S. G. Thomas und G. C. Gilchrist 1877 ein Windfrischverfahren in basisch ausgefütterten Konvertern, soge¬ nannten „Thomasbirnen“, entwickelt hatten, erkannte Stumm alsbald die Tragweite dieser Erfindung, erwarb von dem Hörder Bergwerksverein und den Rheinischen Stahlwerken, die inzwischen die deutschen Patente erworben hatten, die Lizenz und begann in Neunkirchen das erste Thomas-Stahlwerk an der Saar zu bauen, das Ende 1881 seinen Betrieb aufnahm. Sein lothringischer Konkurrent De Wendel hatte bereits im Jahre zuvor (1880) in Hayange die gleiche Innovation eingeführt.75 Nachdem somit die technischen Möglichkeiten bestanden, phosphorhaltige Minette-Erze zu einem Qualitätsstahl zu verarbeiten, richtete sich die Unternehmenspolitik der saar¬ ländischen Hüttenherren auf die lothringischen Erzlagerstätten diesseits und jenseits der damaligen Reichsgrenze.76 In einer ersten Stufe versuchten sie, Konzessionen an 69 Kloevekorn, Fritz, 200 Jahre Haibergerhütte 1756-1956, Saarbrücken 1956. 70 Krämer, Wolfgang, Geschichte des Eisenwerkes St. Ingbert mit besonderer Berücksichtigung der Frühzeit. Ein Beitrag zur Geschichte der pfälzisch-saarländischen Eisenverhüttung, Speyer 1933 (Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 22); Cloer, Bruno und Kaiser-Cloer, Ulrike, Eisengewinnung und Eisenverarbeitung in der Pfalz im 18. und 19. Jahrhundert, Mannheim 1984 (Mannheimer Geographische Arbeiten 18) bringen für die Geschichte des St. Ingberter Werkes nichts Neues. 71 Z. B, 300 Jahre Aktiengesellschaft der Dillinger Hüttenwerke. Ein Rückblick 1685-1985, Dillingen 1985. 72 Bariéty, Jacques, Le rôle de la minette dans la sidérurgie allemande et la restructuration de la sidérurgie allemande après le traité de Versailles, in: Travaux et Recherches 1972, (Centre de Recherches Relations Internationales de l’Université de Metz 3), Metz 1973 S. 233-277. 73 Für die technologische Seite ist immer noch nützlich Beck, Ludwig, die Geschichte des Eisens in technischer und kulturgeschichtlicher Beziehung, 5. Abteilung: Das 19. Jh. von 1860 bis zum Schluß, Braunschweig 1903. 74 Walter, Heinz, Das lothringische Erzgebiet als Kriegsziel der deutschen Großbourgeoisie. Materialien über die sozialökonomischen Hintergründe der Annexion Elsaß-Lothringens, in: Z. f. Geschichtswissenschaft 19, 1971, S. 34-64. 75 Moine, Jean-François, Ingénieurs de mines et industrie, métallurgique: Alfred Braconnier et l’adoption de procédé Thomas par la sidérurgie lorraine, in: Annales de l’Est 1985 S. 83-118. 76 Brenneur, Pascal, Intérêts français et intérêts étrangers sur le bassin de Briey: La Société des mines de Sainte-Pierremont, in: Annales de l’Est 1987 S. 23-39. 20