dem Landtag des Saarlandes ist einmal das damals fehlende Frauenwahlrecht zu berücksichtigen und zum anderen die sich auch nicht annähernd mit den Grenzen des Saargebietes oder Saarlandes deckende Wahlkreiseinteilung. Der Kreis Saarbrücken bildete einen eigenen Wahlkreis, die anderen preußischen Saarkreise gehörten zu den beiden Wahlkreisen Saarburg-Merzig-Saarlouis und Ottweiler-St. Wendel-Meisen¬ heim. Die Zusammenstellung der noch erhaltenen Ergebnisse auf Gemeinde- oder Bürgermeistereiebene wäre sehr zu wünschen. Beilots Ausführungen über den Kulturkampf an der Saar sind einmal zu ergänzen durch Christoph Webers Ergebnisse über Auseinandersetzungen und Verflechtungen im innerkirchlichen Bereich, in dem der damalige Bischof von Trier eine wichtige Rolle spielte,27 und zum andern durch Ergebnisse ortsgeschichtlicher und biographi¬ scher Untersuchungen, wobei sich für das Revier durchaus differenzierte Geschehens¬ abläufe in Kleinräumen ergeben dürften.28 Von sozialgeschichtlichen Ansätzen her hat Klaus Michael Mallmann29 gezeigt, wie das „Erlebnis der Krisenanfälligkeit proletari¬ scher Existenz“ über die Intensivierung der Volksfrömmigkeit im Kulturkampf genutzt und in die Kanäle der sich bildenden Organisation des politischen Katholizis¬ mus in Form der Zentrumspartei gelenkt werden konnte. Als Katalysator wirkten Marienerscheinungen, vor allem die in Marpingen, die eines der wichtigsten Massen¬ phänomene im deutschen Katholizismus des 19. Jahrhunderts war.30 Was die Geschichte einzelner Parteien anbetrifft, verspricht Gerhard Bauer31 in seinem Buch „Hundert Jahre christliche Politik an der Saar“ mehr als er gibt; denn die Zeit vor der Gründung der Christlichen Volkspartei im Frühjahr 1946 handelt er nur in einer gedrängten Einleitung, nicht einmal unter Auswertung aller einschlägigen Literatur, ab. Manche neue Aufschlüsse für das Zentrum an der Saar bietet die Literatur über Dasbach.32 Die die Parteibildungen flankierenden Gründungen katholi¬ 27 Weber, Christoph, Kirchliche Politik zwischen Rom, Berlin und Trier 1876-1888. Die Beilegung des preußischen Kulturkampfes, Mainz 1970. 28 Scharwarth, Alfred G., Die Geheim-Acta der Stadt Trier betr. Ultramontane, Kirchenange¬ legenheiten 1873-1903, in: Kurtrierisches Jb. 19, 1969 S. 177-198; Vgl. auch Hanns Klein, Die Saarlande im Zeitalter der Industrialisierung, in: ZGSaargegend 29, 1981 S. 93-121 mit zahlreichen Literaturangaben. 29 Mall mann, Klaus-Michael, Kulturkampf, katholischer Klerus und Bergarbeiterbewegung an der Saar, in: Der Anschnitt 33, 1981 S. 110-116; derselbe, Volksfrömmigkeit, Proletarisie¬ rung und preußischer Obrigkeitsstaat. Sozialgeschichtliche Aspekte des Kulturkampfes im Saarrevier, in: Soziale Frage (wie Anm. 32) S. 183-232; derselbe, „Aus des Tages Last machen sie ein Kreuz des Herrn. . .?“ Bergarbeiter. Religion und sozialer Protest im Saarrevier des 19. Jahrhunderts, in: Volksreligiösität in der modernen Sozialgeschichte, hrsg. von Wolfgang Schieder, Göttingen S. 152-184. 30 Pinska, Wolfgang E., Die „Marpinger Ereignisse“ und der Kulturkampf in der Saarregion, in: Saarheimat 32, 1988 S. 55-61. 31 Bauer, Gerhard, Hundert Jahre christliche Politik an der Saar: Vom Zentrum zur CDU, Saarbrücken 1981. 32 Thoma, Hubert, Georg Friedrich Dasbach. Priester, Publizist, Politiker, Trier 1975; Fohr¬ mann, Ulrich, Trierer Kulturkampfpublizist im Bismarckreich. Leben und Werk des Preßkap- Ians Georg Friedrich Dasbach, Trier 1977; ders., Georg Friedrich Dasbach - Gedanken über einen Ultramontanen, in: Soziale Fragen und Kirche im Saarrevier. Beiträge zur Sozialpolitik und Katholizismus im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert (hrsg. von Peter Neumann) Saarbrücken 1984 S. 79-108; Rivinius, Karl Josef, Die sozialpolitische und volkswirtschaft¬ liche Tätigkeit von Georg Friedrich Dasbach 1846-1907, ebenda S. 109-182. 15