8. Zusammenfassung und Ausblick: Forschungsper- spektiven für eine historische Onomastik im Be¬ reich zwischen Mosel und Saar (Ruth Kunz) Die vorliegende Studie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit toponymischem Material, insbesondere mit Flurnamen, einen Beitrag zu leisten zur Bestim¬ mung der wortgeographischen Stellung des Saar-Mosel-Raums.52N Dieser Raum, der das Untersuchungsgebiet des an der Universität des Saarlandes an¬ gesiedelten Archivs für Siedlungs- und Flurnamen des Saarlandes und des germanophonen Lothringen (ASFSL) darstellt, umfasst neben dem Saarland die deutschsprachigen Teile des französischen Départements Moselle bis zur historischen Sprachgrenze nach deren für die Zeit um 1500 ermittelten Ver¬ lauf, die historisch und sprachgeschichtlich zu Lothringen gehörigen Kantone des sogenannten Krummen Eisass (Alsace Bossue) im Département Bas-Rhin sowie einen breiten Grenzsaum von französischsprachigen Gemeinden jen¬ seits der alten Sprachgrenze in den Départements Moselle, Meurthe-et- Moselle und Vosges. Die Datenbanken des ASFSL mit ihren rund 500.000 Datensätzen/"1 die für die Zwecke dieser Studie ausgewertet werden konnten, stellten eine hervorragende Materialbasis dar. Aus ihnen stammen die Beleg¬ listen mit den zu den einzelnen Namenwörtern gehörigen Flurnamen des Saar- Mosel-Raums zurück, in den einzelnen Namenartikeln wurden diese Beleglis¬ ten sprachwissenschaftlich und wortgeographisch kommentiert; die Darstel¬ lung der Etymologie, Semantik und arealen Verbreitung der Namenwörter in¬ nerhalb der Germania vervollständigt jeden Namenartikel. Die behandelten Namenwörter gehören entweder in die Gruppe der ,Nord¬ wörter/ die in älterem wortgeographischem Zusammenhang mit dem Ripuari- schen, Niederfränkischen, Niederdeutschen und Niederländischen stehen, oder in die Gruppe der ,Südwörter‘, die in oberdeutsch-alemannische Zusammen¬ hänge einzuordnen sind/'” Nicht behandelt wurden beispielsweise solche Namenwörter, die über das gesamte deutsche Sprachgebiet verbreitet sind, bzw. Namenwörter, deren Konzentration auf den Norden des deutschen 52x Zu forschungsgeschichtlichen und methodischen Grundlagen und zum Zeugniswert von Flurnamen für die Erhellung alter sprachlicher Beziehungen am Beispiel des Saar-Mosel-Raumes vgl. Pitz/Schorr 2003: Dieser Aufsatz basiert auf Vorüberle¬ gungen zum Forschungsprojekt ,Nordwörter ‘ und , Südwörter \ Alte Wortschichten in Siedlungs- und Flurnamen und ihre Aussagefähigkeit für die Stellung des Saar- Mosel-Raums innerhalb der , Westgermania \ dessen Ergebnisse in der hier vorlie¬ genden Studie dargestellt sind. - Vgl. dazu auch Kapitel 1 dieser Studie. 2,1 Die Datenbanken enthalten historische, amtliche und mundartliche Flur- und Sied¬ lungsnamen sowie historische Wüstungsnamen, vgl. Kapitel 2.1. 530 Vgl. Kapitel 1.6. 439