Graft: Brettnach (Bv): 1717 or. itz. grajfe (AD Mos 4 E 70), 1772 or. frz. grouve (AD Mos G 999), o Graft, Grafft [graft]. Königreicher Hof (SW): 1739 dt. auffder krafft (LA Sp Zwbr 1 Akte Nr. 1033 fol 45r), 1739 dt. im krafftgarten (LA Sp Zwbr 1 Akte Nr. 1033 fol 45v). Laumesfeld (Si): o Jardin de graß/le - [growa’gouto]. Lohr (PP): o 2. Gewandmühlkrafftfeld/ - mühlkraftfeld, Mühl krafft matt [midkrafts'mat]. Marth (SW): 1739 dt. auff der krafft (GEB), 1739 dt. auf der krafft (LA Sp B 2/1033 fol 58), o Kraft oberm Weg [kreft ovnhalp dm 've:j], In der Kraft [in do kreft]. Mittersheini (Fe): 1735 or. dt. des grabens krafft (AD Mos E depot 473 1 G 1). Osterbrücken (SW): 1739 dt. auff der krafft (LA Sp B 2/1033 fol 58). (Vgl. Abb. 16) B. Das Lemma Grät/Grächt f. ,Graben, Schlucht; (tiefer) Wasserriss in Gelän¬ de' ist mit niederländisch Gracht f. ,Grube; Wassergraben' etymologisch identisch, vgl. frühmnl. gracht m./f, seltener graft(e) und grecht(e) (VROEG- MnlWb 2, 1747ff), mnl. graft, f., auch gracht f. ,Grube; Graben, Wassergra¬ ben; Kanal; Stadtgraben' (MNLWB 2, 228), mnd. graft, gracht f. ,Grube; Gra¬ ben, Wassergraben; Grenzgraben, Stadtgraben, Wallgraben', grafte f. gra¬ ben, Kanal', grefte f. ,Graben', nnd. Graft, Gracht ,Graben', Gräfte f. ,Schutzgraben um ein Anwesen' (MndWb 2/1, 147; das Wort kommt im Mit¬ telniederdeutschen vereinzelt als Neutrum mit der Bedeutung ,Grab, Begräb¬ nisstätte' vor), mhd. (mnd.) graht f., mhd. graft f. ,Graben'110 (LEXER 1, 1065), ahd. graft f. (AhdWb 4, 400f.; EWA 4, 580), afries. greft, graft (west- fries.) f. ,Graben' (AfriesHdWb 193), fries. greft, aengl. grceft f, anord. gröptr »Begräbnis, Grube'. Das Wort stellt ein Verbalabstraktum mit dem Fortsetzer des uridg. ^/-Suffixes zu graben dar (EWA 4, 580) - vgl. ahd. graban st. V. ,graben‘, anord. grafa, afries. greva, grova, asächs. bi-graban, aengl. grafan, got. graban (KLUGE 367; De Vries 1961, 184; EWN 2, 317f.). Gracht ist als eine Lautvariante zu oberdeutsch Graft anzusehen, mit nieder¬ deutsch-niederländischem und mittelfränkischem Wechsel von /ft/ zu /xt/ (KLUGE 367). Formen mit -e- sind durch den /-Umlaut entstanden, der durch den Ausgang *-ti verursacht wird. Die Konsonantencluster /xt/ / /ft/ haben in einem großen Teil des niederländischen und deutschen Sprachgebietes den /- Umlaut verhindert (EWN 2, 317f.). Die Variante Grächt weist Umlaut des Kurzvokals vor der Spirans in der den Umlaut bewirkenden Verbindung /xt/ auf. Grät zeigt moselfränkischen Ausfall des /x/ (geschrieben <ch)) und Er¬ satzdehnung des Vokals.111 110 Vgl. WMU 1, 756, mit drei Belegen von Graft für den elsässischen Raum. m Vgl. Bauer 1957,266. 114