(5) Vliet, Wasserlauf bei Rijnsburg (NL, Prov. Stidholland): 918/48 kop. 11. Jh. E. Flietha / Flieta; (6) Groot- und Kleinmaarslag bei Leens, Gde. De Marne (NL, Prov. Gro¬ ningen): 944 kop. 1150/58 in Marisßiete\ (7) tSuthera Suthflita bei Goes (NL, Prov. Seeland): 976 or. in pago Beue- landa omnem terram a Suthera Suthflita usque Curtagosum et Cam pan. C. Fließ ist als Appellativ nach dem 16. Jahrhundert selten und seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nur noch punktuell bezeugt (DWB NEUBEARB. 9, 639). Ein früher appellativischer Beleg (mit Lautverschiebung) aus dem Jahr 1262 findet sich im Corpus der Altdeutschen Originalurkunden, Bd. 1, Nr. 58. Ausstellungsort der Urkunde ist Thom, polnisch Toruh, 1231 im Kulmerland gegründet unter der Verwaltung des Deutschen Ordens und besiedelt von Ein¬ wanderern aus Westfalen. Der Urkundentext lautet: Die ratlute vnd die selbin bürgere hant mit guten willen daz wazzer die boftolz vnd die vlize die darzv vlizint gegebin vn gelazen den bruderen daz fi dranne buwen mvgen eine mvlen (vgl. auch WMU 3, 2173). Die Verbreitung von Fließ (nd. Fleet) hat im appella- tivischen Wortschatz sowie als Bestandteil von Flurnamen1116 des deutschspra¬ chigen Raums eine Konzentration in Norddeutschland einschließlich der Küs¬ tengebiete und Schleswig-Holsteins, ferner am Niederrhein und im Bergischen Land: CLAUSEN 1988, 39; Dittmaier 73f. und Karte 14 (,künstlicher oder na¬ türlicher Abzugsgraben; natürliches oder künstliches fließendes Gewässer1); Falkson 2, 2000, 499f.; HambWb 2, 113f. (,natürlicher oder künstlicher Was- serlauft; schon 1265: pons qui transit vltra vlet\ im älteren Hamburger Stadtge¬ biet dienten die Fleete ursprünglich zur Entwässerung und als Festungsgräben, wurden aber besonders im 17./18. Jahrhundert zunehmend schiffbar gemacht); Jellinühaus 1899, 246f.; Laur 1992, 251 und 724 (Register); Leuhaeuser 1901, 133f.; MecklWb 2, 979; NSÄCHSWB 4, 646; RheinWb 2, 617 (,Abzugs¬ graben städtischer Abwässer4 [Kempen]); Scheuermann 1995, 119; Schlesw- HWb 2, 141. Der westfälische Mundartraum fallt ganz aus. Über den Bonner Raum breitet sich das Wort in südlicher Richtung bis an die Mosel (Niederfell, Lkr. Mayen-Koblenz: 1400 vineam in der Fließen) und nach Luxemburg und Lothringen aus, wo Fleiz n. ,Floss, Bewässerungs¬ graben4 bedeutet (Jungandreas 1962, 398; LuxWb 1, 391; DtLothrWb 166).10 Auch die pfälzische Mundart kennt das Appellativ in der Bedeutung Bewässerungsgraben, Spalte im Felsgestein4 (PfäLZWb 2, 1458). ,(li’ Der Bedeutung des Wortes entsprechend beziehen sich Fließ!Fleet-Flurnamen auf Gewässer, Entwässerungsgräben etc. 107 Fleiz n. zeigt einen im Moselfränkischen und anderen deutschen Mundarten vorkom¬ menden sogenannten gestürzten Diphthong. - Daneben existiert im Luxemburgischen das Substantiv Floss n./m., PI. Floss, Flässer .Rinnsal, Abzugsgraben1 (LuxWb 1, 386), das mit dem gleichbedeutenden lothr. Floss (DtLothrWb 165) zu verbinden ist. 103