vorgermanischen Namenmaterials wird methodisch ein anderer Weg beschrit¬ ten, um die sprachliche Zwischenstellung gerade des Saar-Mosel-Raums in ihren historischen Dimensionen transparent zu machen und daher auch ihre Genese besser zu verstehen. Eine wichtige lexikalische Vergleichsgrundlage für solche Unternehmungen steht in Gotthard Lerchners Studien zum nord¬ westgermanischen Wortschatz (1965) zur Verfügung. Darin und in einer klei¬ nen Reihe exemplarischer Einzelstudien von Wolfgang KLEIBER und anderen deutet sich an, dass vor allem in der agrarischen Sphäre, also gerade innerhalb des flurnamenrelevanten Wortschatzes, offenbar alte lexikalische Gemein¬ samkeiten zwischen den fränkischen Dialekten - einschließlich des durch Re¬ liktwörter und -namen fassbaren , Westfränkischen1 - und den ,nordseegerma¬ nischen1 Küstensprachen bestehen. Andere auf dem Gebiet der althochdeut¬ schen Wortgeographie bereits geleistete Vorarbeiten lassen dagegen signifi¬ kante Gegensätze besonders auf dem Gebiet der Rechtssprache und des religi¬ ösen Wortschatzes erkennen. Insgesamt ist die wortgeographische Stellung des westmitteldeutschen Raumes, und gerade der Lande an Mosel und Saar, in ihren historischen Di¬ mensionen bisher noch zu wenig untersucht, um über die These einer alten Verbindung zu den ripuarischen und niederfränkischen Dialektgebieten im Norden und Nordwesten handfeste Aussagen treffen zu können. Schon vor der endgültigen Teilung des kontinental-westgermanischen Kontinuums in Deutsch und Niederländisch, die sich später mit Einsetzen der schriftlichen Überlieferung immer mehr verfestigte und sich in den Schrift- und National¬ sprachen manifestierte, hatten sich diese Beziehungen wohl abgeschwächt. Zur Klärung solcher Fragen kann nun speziell die Flurnamenforschung ei¬ nen herausragenden Beitrag leisten: Flurnamen und den aus ihnen abgeleiteten sekundären Siedlungsnamen wird man wegen der speziellen Bedingungen der Namentradierung, insbesondere aufgrund der geringen kommunikativen Reichweite von Flurnamen und des archaischen Charakters des landwirt¬ schaftlichen Sach- und Rechtswortschatzes, aus dem sie in der Regel ge¬ schöpft sind, eine Nähe zur sprachlichen Grundschicht einer Landschaft unter¬ stellen können, die durch andere Materialkategorien vermutlich nicht zu über¬ treffen ist. Die in den letzten Jahrzehnten insbesondere von Flans Ramge mit dem Hessischen Flurnamenatlas (1987) weiterentwickelten Methoden der Flurnamengeographie (zur Forschungsgeschichte vgl. Ramge 1996) haben zur Beschreibung von ,Flurnamenräumen1 geführt (RAMGE 1987b), die sich in Beziehung zur Dialektgeographie setzen ließen. So unternahmen etwa Gunter MÜLLER (1985) und jüngst Wolf-Dietrich ZERNECKE (1999) den Versuch ei¬ ner historischen Dimensionalisierung der DWA-Karte ,Hügel‘ mittels der Flurnamengeographie, um damit einen Beitrag zur historischen Wortgeo¬ graphie auf namenkundlicher Grundlage zu leisten. Mit der hier interessieren¬ den Frage nach den Aussagemöglichkeiten der Namengeographie zur frühmit¬ telalterlichen germanischen Siedlung beschäftigten sich in jüngerer Zeit 9