1.1. Sprach- und Namengeographie im Saar-Mosel-Raum Die Lautgeographie konnte deutlich aufzeigen, dass im Untersuchungsraum wichtige nördliche und südliche Spracherscheinungen aufeinander treffen: z. B. die dat/das-Linie, die bei Falkenberg in Lothringen südlich ausläuft, und die weiter nördlich verlaufende fest/fescht-Lime. Mit den Ergebnissen der vor¬ liegenden Studie lassen sich diese Erkenntnisse nun auch aus der Perspektive der Lexik bestätigen und zugleich differenzieren (vgl. dazu zuletzt Hau- BRICHS 2002, 2007a);' Die Auswertung von Toponymen und Mikrotopo- nymen (unter Einbeziehung der Namen aus vorgermanischen Schichten) im Untersuchungsraum ermöglicht also ein besseres Verständnis der sprachlichen Zwischenstellung und der Brückenfunktion des Saar-Mosel-Raums in histori¬ schen und wortgeographischen Dimensionen. Wie wünschenswert eine solche methodische Koppelung ist, geht auch aus einer Feststellung Wolfgang Klei¬ bers hervor, der zu Recht betont hat, dass die [...] historische Sprachgeographie frühmittelalterlicher ,Stämme1 bzw. der betr. .politischen Einheiten' noch wenig entwickelt [ist]. Beispielsweise wäre auf die Entdeckung eines ingwäonischen (niederfränkischen) Superstrats am nördlichen Oberrhein auf der Basis onomastischer und appellativischer Zeugnisse hinzuwei¬ sen. Derartige primär namenkundliche Einzelforschungen müssen vorläufig als Ersatz dienen für das fehlende Bild einer frühmittelalterlichen Sprach- und Wortgeographie (Kleiber 1998, 891 f.). Im Namenschatz des Saar-Mosel-Raums haben sich alte lexikalische Ver¬ bindungen zu den ripuarischen und niederfränkischen Dialektgebieten im Nor¬ den und Nordwesten in hoher Zahl nachweisen lassen, die sich dann durch von Süden vordringende Neuerungen immer mehr abgeschwächt haben. So wurden nach Maßgabe des Materials in erster Linie ,Nordwörter' bearbeitet, die in einem wortgeographischen Zusammenhang mit dem Niederländischen, Ripuarischen, Niederfränkischen und Niederdeutschen stehen. Sie werden durch relativ wenige ,Südwörter' ergänzt, die einen wortgeographischen Zu¬ sammenhang mit dem Oberdeutschen aufweisen (Haubrichs 2002, 2004a, 2005, 2007a; Pitz 2005; Pitz/Schorr 2003). Aufgrund der Materialien des Deutschen Wortatlasses hat Hildebrandt eine Typo¬ logie der arealen lexikalischen Gliederung deutscher Dialekte erstellt und dabei eine Reihe von Raumtypen definiert, darunter den Raumtyp A: Nord - Süd. „Sprachhis- torisch gesehen orientiert sich dieser Gegensatz an der hdt.-ndt. Raumstruktur, die ihre früheste Ausprägung durch die Stammesgrenzen des Alem.-Frühfränk. einer¬ seits und des Sächs. andererseits erfahren hatte.“ (Hildebrandt 1983, 1334). 2