Vogel distanzierte sich schon sehr früh von dem neugestalteten Bund - offiziell, weil er der Ansicht war, daß nach der Abstimmung vor allem die Gemeinsamkeiten mit dem Reich hervorgehoben und nicht - wie durch den Verein intendiert - ein lands- männisches Sonderbewußtsein gefördert werden sollte26. Der eigentliche Grund dürfte allerdings gewesen sein, daß er „seine“ Organisation nicht unter anderer Flagge sehen wollte. Konsequenterweise lehnte er die Mitarbeit im Bund oder auch nur den Beitritt zur Berliner Ortsgruppe ab27. Fast schadenfroh stellte er nach weni¬ gen Monaten fest, daß Debusmanns anfängliche Euphorie einen herben Rückschlag erlitten habe und er zusehends von einem Gefolgsmann des saarpfälzischen Gaulei¬ ters und Reichskommissars Bürckels an die Wand gedrängt werde28. Vogel, der kontinuierlich mit der Regierungskommission um die offizielle Auf¬ hebung seines Ausweisungsbeschlusses gestritten hatte, kehrte nach der Abstimmung nicht an die Saar zurück, sondern nahm seinen Alterswohnsitz in Berlin-Wilmers¬ dorf. Anläßlich seines 65. Geburtstages wurde auf Anregung von Halferns eine ..Theodor-Vogel-Stiftung zur Förderung der bergmännischen Berufsausbildung von Bergmannskindern aus dem Saargebiet“ bei der Saarbrücker Grubenverwaltung eingerichtet29 30. In den kommenden Jahren bemühte er sich vergeblich um die Verlei¬ hung des Titels „Bergrat“; erste Versuche, unter Berufung auf seine 30jährige Dienstzeit als preußischer Beamter eine Höhergruppierung zu erreichen, lassen sich schon in den frühen zwanziger Jahren finden. Kurz vor seinem Tod im Oktober 1942 war Vogel auf Spenden seiner einstigen Mitstreiter angewiesen '0. ^ ^ Wie das Beispiel des erst 1933 entstandenen Nürnberger Saarvereins zeigt, ent¬ schlossen sich selbst ausgesprochene Zweckgründungen, zur Pflege des Heimat¬ gedankens und der Geselligkeit fortzubestehen'1. Verschiedentlich erhielten die lokalen Verbände sogar noch außerordentliche staatliche Beihilfen’2, doch dürfen diese Einzelfälle nicht darüber hinwegtäuschen, daß der überwiegende Teil der Ortsgruppen nach dem Referendum schlagartig seine Tätigkeit einstellte und dem Bund von seiten der Behörden keine Bedeutung mehr beigemessen wurde33. Zu¬ 26 Vgl. Brief der GSV an Maurer (20.03.35, in: BA-R 8014/113), Müller (11.03.35, in: BA-R 8014/648) und an Twelker (17.05.35), in: BA-R 8014/396. 27 Vgl. Brief Vogels an Alff (02.11.35), in: LA Berlin, Rep. 042/26.420. 28 Vgl. Brief der GSV an Müller (22.05.35), in: BA-R 8014/648. 29 Vgl. Entwurf eines Briefes von Andres (01.10.35), in: LA Saarbrücken. NL Vogel 2; „Saarbergmann“ Nr. 17 (26.10.35). 30 Vgl. Schriftwechsel in LA Saarbrücken, NL Vogel 19. 31 „Nürnberger Zeitung“ Nr. 115 (18./19.05.35). Der Verein existiert noch mindestens bis Ende der dreißiger Jahre: Vgl. „Fränkischer Kurier“ Nr. 12 (13.01.36); Brief der Schutzpolizei-Abteilung Nürnberg an die Stapostelle Nürnberg (30.01.39), in: StA Nürnberg, C 7/ V/ 7001. 32 Vgl. Brief der GSV an Borchardt (Potsdam; 02.03.35), in: BA-R 8014/113; Brief der Ortsgruppe Selm an die Reichskanzlei (30.04.35) und Antwortschreiben (06.05.35), in: BA-R 43-1/257. 33 Vgl. Brief des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus an die Rektoren der bayeri¬ schen Universitäten (17.10.36), in: UA Erlangen, Al/ 3a/ 910; UA München. Sen 746/25.