Der langjährige Geschäftsführer scheute sich nicht, seine eigenen Verdienste ohne Umschweife hervorzuheben, war aber so vorsichtig, die Gleichschaltung des Bundes zu begrüßen und damit die Führungsrolle der Partei zumindest offiziell zu akzeptie¬ ren: „Die Eingliederung des Bundes der Saarvereine in die Nationalsozialistische Bewegung und damit seine Verschmelzung mit der neu informierten [sic! | deutschen Volksgemeinschaft hat die Kraft unseres Abwehrkampfes für die Deutscherhaltung des Saargebietes noch ganz wesentlich verstärkt; sodass wir in der festen Zuversicht des Sieges unserer Sache noch fester sein durften [...]. Wirscheiden nicht leichten Herzens von unserem Werk. Aberdas Scheiden wird uns leichter dadurch, daß wir das Saargebiet heute in guter Hut wissen. Der im Nationalsozialismus lebendige nationale Gedanke beherrscht heute Deutschlands Politik. Gesundes, stolzes Nationalempfinden ist Gemeingut des deutschen Volks geworden. [...] Der Begriff ,Saargebiet1 ist mit dem 1, März ausgelöscht. Dafür hat der Führer diesem deutschesten aller deutschen Gaue die Ehrenbezeich¬ nung .Saarland' gegeben, damit es den lebenden und den kommenden Geschlechtern Kunde gibt von dem heroischen Kampf, den die Bevölkerung an der Saar sechzehn Jahre um ihr Deutschtum und ihre Freiheit, ihr Vaterland geführt hat. Deshalb grüßen wir zum Schluß unserer Tagung unsere geliebte Saarheimat mit dem alten Bergmannsgruß: Glückauf zu neuem Aufstieg im Reiche Adolf Hitlers. Unser Saarland, unser Vaterland und unser Führer Adolf Hitler Sieg Heil!"23 Der Abend klang mit einer Wiedersehensfeier im Saalbau aus. Vogel fiel die Ehre zu, die Schlußansprache zu halten und das neue Deutschland sowie dessen „Führer“ hochleben zu lassen. Nach dem Besuch der Gottesdienste legte eine Delegation des Bundes am folgenden Tag an den Gräbern verschiedener Saarvereinsmitstreiter Kränze nieder, bevor sich die „Saarfreunde“ abends erneut zu einem gemütlichen Beisammensein trafen. Erstmals in seiner Geschichte beschäftigte sich der Bund auf einer Jahrestagung ausschließlich mit sich selbst; im Vergleich zu früheren Versamm¬ lungen entbehrte die Saarbrücker Abschlußtagung jedes politischen Charakters. ^ ^ * Als Rechtsnachfolger des Bundes der Saarvereine und der Arbeitsgemeinschaft der pfälzischen Vereine gab sich der „Bund der Saar- und Pfalz-Vereine“ unter der Leitung Debusmanns im Frühjahr 1935 eigene Satzungen. Ihnen zufolge übernahm der modifizierte Bund die „Pflege des heimatlichen Volkstums und die Unterstützung aller Bestrebungen [...]. die den kulturellen Zusammenhang zwischen Pfalz und Saar zu vertiefen geeignet“ schienen. Hauptgeschäftsstelle sollte Saarbrücken sein. Die Basis des Bundes sollten zwar wie bisher im Deutschen Reich verstreute Orts- und Landesgruppen bilden, doch bestimmte § 7 ausdrücklich, daß den Untergliederungen des Verbandes keine satzungsgemäße Bedeutung zukam. Dem Bundesleiter stand ein von ihm selbst ernannter „Führerrat“24 25 zur Seite; zur Bewältigung der organisatori¬ schen Angelegenheiten sollte eine Geschäftsstelle eingerichtet werden, für deren spätere Existenz sich keine Hinweise finden ließen23. 23 Schlußansprache Vogels auf der Vertreterversammlung (23.03.35), in: BA-R 8014/1 13. 24 Aus den Quellen ließ sich die Zusammensetzung dieses Gremiums nicht rekonstruieren. 25 Vgl, Satzungen des „Bundes der Saar- und Pfalz-Vereine“ (08.05.35), in: BA-R 8014/113. Siehe auch Anhang, Dok. 16. 410