diesem Zeitpunkt in den Gemeinden Freyming, Merlebach und Petite Rosselle, in welchen jeweils 109, 159 und 431 Abstimmungsberechtigte lebten, Robert Herly, Generalsekretär der AFS, stellte voller Zufriedenheit fest: „On voit que nous sommes loin d’être démunis d’armes sérieuses. 11 n'importe que de coordonner et d’utiliser nos moyens.“100 Die regionalen Mitarbeiter der Association, der es nach deutschen Informationen gelungen sein soll, ihren Mitgliederstamm nach 1933 zu verfünffachen und ihre Einnahmen erheblich zu steigern101 102, nahmen vergleichbare Aufgaben wahr wie die Obleute und Ortsgruppen des Bundes der Saarvereine1112: Sie waren verantwortlich für die Gründung weiterer lokaler Niederlassungen, für die Beobachtung der franzö¬ sischen Presse oder auch für das Auffinden von Saarländern, denen sie zu vermitteln hatten, daß Frankreich keineswegs am Ausgang des Plebiszits desinteressiert sei103. In Zeitungen, durch Flugschriften, Aufkleber104, Kundgebungen und ähnliche öffent¬ lichkeitswirksame Maßnahmen sollten sie das Saarproblem der französischen Bevöl¬ kerung näherbringen. Ferner stellte die Pariser AFS-Zentrale vorgefertigte Artikel und Vortragstexte sowie Lichtbilder zur Verfügung. Schließlich trugen die Mit¬ arbeiter die Verantwortung für die fristgerechte Überweisung der Mitgliedsbeiträge105 an die Association, die sich betont überparteilich gab: Da das Schicksal der Saar eine nationale Frage sei, sollte kein Franzose aus den lokalen Comités ausgeschlossen sein, vielmehr gelte es, dort alle politischen Richtungen und Konfessionen zu re¬ präsentieren, ohne selbst Partei- oder Religionspolitik zu betreiben. Als Vorsitzende wurden Persönlichkeiten mit Ansehen und Einfluß selbstredend bevorzugt. Bei der Ermittlung potentieller Mitglieder scheute sich die „Union Franco-Sarroise“ ebensowenig wie ihr reichsdeutsches Pendant, Druck auszuüben: Einem Saarländer aus dem grenznahen Stieringen drohte sie beispielsweise mit der Ausweisung und damit dem Verlust des Arbeitsplatzes, sollte er sich weiterhin weigern, der UFS beizutreten110. Da sich deren Büros oft in Räumlichkeiten der Gemeinden befanden - in Straßburg sogar direkt auf der Präfektur - wurde die Grenze zwischen privater l‘*’ Vgl. Auflistung der AFS (02.11.33), in: AN, F 13.472. Unter den 1.388 Abstimmungsberechtigten befanden sich 795 Frauen; die 593 Männer waren mehrheitlich Bergleute. Der Nationalität nach wurden neben 784 Deutschen und 41 Ausländern 563 Franzosen ermittelt - unter ihnen lediglich fünf durch Geburt! Über die Hälfte (52%) stimmte in den grenznahen Gemeinden links der Saar ab. 101 Vgl. Brief der deutschen Botschaft Paris an das AA (29.05.34), in: PA AA, II a Saargebiet. R 75.717. 102 Vgl. undatiertes vertrauliches Rundschreiben der AFS, in: MAE, PA-AP 212/1. 103 Vgl. Werbeschreiben der UFS (30.11.33), in: PA AA. II a Saargebiet, R 75.459. 104 Die AFS verbreitete Klebemarken mit dem Aufdruck: „Volksabstimmung 1935/ Unser Interesse, unsere Sicherheit,/ das Interesse der Saarländer/ erfordern die Aufrechterhaltung des/ Status quo im Saargebiet/ unter dem Schutz des Völkerbundes.“ Übersetzung des französischen Originals in: „Saarbrücker Abendblatt“ Nr. 199 (15.10.34). 105 Die örtlichen Komitees sollten sich durch Spenden von Industriellen und Handeltreibenden fi¬ nanzieren, die daran interessiert waren, daß das Saargebiet weiterhin im französischen Zollgebiet verblieb. 106 Weitere Beispiele vgl. bei LEMPERT, S. 476 f. 386