und Gewerbe“ Richard Becker und dem Vorsitzenden des „Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen“ Max von Vopelius über Gewerkschafts¬ führer wie den Sekretären des christlichen Gewerkschaftsbundes Karl Hillenbrand und Peter Kiefer296, den Bezirksleitern Fritz Kuhnen29 und Otto Pick298 bis zu Ver¬ tretern des kulturellen Lebens wie Hans Bongard und dem Vorsitzenden des Vereins der Saarpresse, Ludwig Bruch. Insgesamt Unterzeichneten elf Mitglieder des saarlän¬ dischen Landesrates, unter ihnen die Parteivorsitzenden Wilhelm Schmelzer (DS VP), Franz Steegmann (Zentrum) und Gustav Schmoll (Vereinigung Hausbesitz und Land¬ wirtschaft). Sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht können die zahlreichen Be¬ richte saarländischer Zeitungen nur bedingt als Gradmesser der Wahrnehmung des Saarvereins im Mandatsgebiet herangezogen werden, da ein Großteil der Artikel von der Geschäftsstelle selbst lanciert worden war299. Vogels Feststellung, daß sich die saarländische Presse ab etwa 1924 nicht mehr gegen derartige Beiträge wehrte und ausgiebig über die Arbeit des Bundes berichtete'l)(), zeigt sich auch quantitativ in der Anzahl der nun veröffentlichten Meldungen. Dank dieses Meinungsumschwungs konnten die Saarländer noch unter der Präsidentschaft Raults regelmäßig die Aktivi¬ täten der Saarvereine im Reich verfolgen, was dem Bekanntheitsgrad der Gesamt¬ organisation entscheidenden Aufschwung verlieh3111. 296 Kiefer, der dem rechten Flügel des Zentrums angehörte, war auf der Heidelberger Bundestagung aus gesellschaftspolitischem Proporz zum Ehrenmitglied ernannt worden. Nach 1933 bildete er mit Röchling und Bürckel zeitweise ein „Triumvirat“ zur Schaffung einer überparteilichen Einheitsfront an der Saar. 297 Fritz Kuhnen (1879-1947), ab 1912 Bezirksleiter des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter und Mitglied des Hauptvorstandes, war einer der drei saarländischen Abgeordneten in reichsdeutschen Parlamenten während der Völkerbundsjahre. Als Duzfreund Vogels gehörte er dem interfraktionellen Saarausschuß der GSV an. Aus seiner dezidiert prodeutschen Haltung hatte er bis Frühjahr 1933 nie einen Hehl gemacht; erst angesichts der Repressalien, welche die reichsdeutschen Gewerkschaften hinzunehmen hatten, ging er auf Distanz zum Nationalsozialismus. Nach seinem Rücktritt als Bezirksleiter im Herbst 1933 vollzog sein Nachfolger Kiefer die Gleichschaltung des Gewerkvereins; Kuhnen selbst wirkte aktiv an der Gründung des „Volksbundes für christlich-soziale Gemeinschaft“ als Sammelbecken nichtmarxistischer Rückgliederungsgegner mit. Ähnlich wie in den Fällen Braun und Hoffmann kaschierte der SF frühere Kontakte zu Kuhnen mit um so heftigeren verbalen Aus¬ fällen: Vgl. Sondernummer des SF (1934/35) 1, S. 7 f.; MALLMANN/ Paul: Fritz Kuhnen. :<w Nicht ganz so wechselhaft wie zu Kuhnen war das Verhältnis zwischen der GSV und dem Bezirks¬ leiter des Christlichen Metallarbeiterverbandes Otto Pick (1882-1945). der 1919 für die DDP in die Weimarer Nationalversammlung gewählt worden war. Er zählte sehr früh zum Zirkel der engsten Vertrauensleute Vogels. Noch im Herbst 1933 gedachte der SF seiner Verdienste: Vgl. SF 13 (1932) 8. S. 124; SF 14 (1933) 19, S. 370 f. Obwohl sich der Protestant Pick in der zweiten Jahreshälfte öffentlich vom Nationalsozialismus distanzierte, wurde sein scheinbarer Separatismus nicht im SF angeprangert: Vgl. VON ZUR MÜHLEN: Schlagt Hitler. S. 127-132. 299 Eine Analyse der saarländischen Presselandschaft wäre daher wenig ergiebig gewesen: Vgl. allgemein die Belegexemplare und den Schriftverkehr in BA-R 8014/119 und 1078-1081 sowie Kap. 4.1. ,,KI Vgl. Geschäftsbericht derGSV (24.10.24), in: BA-R 8014/7. 101 Ohne es zu wollen, trug die gegnerische Presse ebenfalls hierzu bei: Die Anfeindungen des NSK dürften in der breiten Masse der Bevölkerung eher zu einer Solidarisierung als zur Distanzierung geführt haben. Siehe hierzu S. 196 f. 182