Abstimmungsergebnisses forderte die Geschäftsstelle „Saar-Verein" die Personalien der noch immer arbeitslosen Saarländer bis Anfang Februar 1935 an. damit die Landesgruppenleiter mit den Landesarbeitsämtern schnelle Abhilfe leisten konnten211*. Während dieser Übergangsphase traten zahlreiche Bergbeamte an Vogel mit der Bitte heran, sich für sie bei der Neubesetzung der Saarbrücker Grubendirektion zu verwen¬ den. 3.2.4 Wirtschaftspropagandistische Maßnahmen des Bundes der Saarvereine Neben allgemeinen Standortnachteilen hemmte das Fehlen einer einheitlichen Wirt¬ schaftspolitik die saarländische Schwerindustrie der Völkerbundszeit in ihrer Ent¬ wicklung. Mehrere, nur partiell in ihren Zielsetzungen übereinstimmende Protago¬ nisten agierten neben- und gegeneinander und banden auf diese Weise Kräfte, so daß Chancen entweder nicht erkannt oder aus nationalpolitischen Erwägungen nicht genutzt wurden. Die Regierungskommission verzichtete angesichts ihrer begrenzten Amtsdauer, längerfristig wirkende Strukturmaßnahmen einzuleiten, während die Vertreter Frankreichs ihre Ambitionen ab einem gewissen Punkt darauf beschränkten, bis zur absehbaren Rückgliederung an Deutschland den größtmöglichen Profit aus dem saarländischen Pfand zu ziehen. Wegen der unzureichenden Kompetenzen des Landesrates mußten die Handelskammer, die Gewerkschaften sowie Arbeitgeber¬ organisationen auf der Seite der Saarländer mit der Regierungskommission bzw. der „Administration des Mines Domaniales“ verhandeln. Obwohl sich in ihren ersten Jahren eine Gründungswelle neuer Betriebe nachweisen läßt, fällt die wirtschafts¬ politische Bilanz der Völkerbundsverwaltung insgesamt gesehen negativ aus* 209-ein Umstand, auf den der Bund der Saarvereine kontinuierlich hinwies, wenn er wie die anderen Propagandisten des Rückgliederungslagers betonte, daß das Saargebiet nur als ein wirtschaftliches und politisches Glied Deutschlands existieren könne210. Ähnlich wie ihr karitatives Engagement dienten die wirtschaftspropagandistischen Maßnahmen der Geschäftsstelle „Saar-Verein" dem Zweck, sowohl unter den ausgewanderten und ausgewiesenen Saarländern als auch unter ihren zurückgebliebe¬ nen Verwandten dem Gefühl entgegenzutreten, von reichsdeutscher Seite im Stich gelassen worden zu sein. Angesichts einer unbestimmten Dauer der Abtrennung211 mußte von Anfang an verhindert werden, daß die französischen „Wohltaten" ihr Ziel erreichten und Frankreich als am Ausgang des Plebiszit interessierte Macht die LA Saarbrücken, Saar-Verein 27. JW Vgl. Rundschreiben der GSV an die Ortsgruppen und selbständigen Saarobmänner im Reiche (19.01.35), in: Ebd. 209 Vgl. Herrmann/ Sante, S. 63 ff. 210 Vgl. SF2 (1921) 17, S. 246 f.; SF 8 (1927) 13, S. 201 ff.; SF 8 (1927) 16, S. 272 f.; SF 11 (1930) 13/14, S. 244 f.; CARTELLIERl: Wirtschaftskunde, S, 72-77; Mayer: Französische Politik. S. 49-63; Die Saarwirtschaft zwischen Deutschland und Frankreich, S. 9-20; SAVELKOULS: Die Wirtschaft im Saargebiet, S. 207-216. Das Saarstatut sah zwar eine 15jährige Übergangsphase vor, doch hätte diese durch bilaterale Verhandlungen zwischen Berlin und Paris verkürzt werden können. 165