erziehen“17, wobei ihre Mitwirkung an der Erhaltung des Deutschtums ohne chauvi¬ nistischen oder nationalistischen Einschlag zu erfolgen hatte. Die am Berliner Kron¬ prinzenufer ansässige Begestelle ließ die Kontakte zu den Vertrauensmännern der RfH in den linksrheinischen Besatzungszonen nicht abreißen, sondern bezog über diese Informationen über die aktuelle Stimmungslage in der Bevölkerung und über¬ mittelte ihrerseits Nachrichten über deutsche Hilfsmaßnahmen an der Zensur vorbei ins besetzte Gebiet18 19. Direktiven für ihre propagandistische Arbeit im besetzten Rheinland erhielten die Landesabteilungen der RfH Anfang November 1919. Für den Fall, daß aus der Unzufriedenheit der Bevölkerung über die Lebensmittellage, die Teuerung, die Kohlenknappheit oder die Wohnungsnot Streiks erwuchsen, sollten diese im deutschen Interesse ausgenutzt werden. Es schien dringend nötig, die Spannungen zwischen der Bevölkerung und den französischen Behörden aufrecht zu erhalten, um die Franzosen abzuschrecken und ihnen nicht das Gefühl zu geben, daß sich die Bevölkerung verausgabt habe11. Angesichts dieser Interessen- und Aufgabenkongruenz zwischen der neu etablierten Geschäftsstelle „Saar-Verein“ und der RfH bot sich die Kooperation geradezu an. Regierungsrat Heinrich von Friedberg vom preußischen Ministerium des Innern verwies die Reichszentrale explizit an den Saarverein mit der Begründung, sie werde dort die Kräfte finden, die sie für ihre Aufklärungsarbeit im Saargebiet benötige. Nach seinen Plänen sollte die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ allerdings nur der verlängerte Arm einer verdeckt arbeitenden Reichsbehörde sein20. Vogel seinerseits drängte sich in den nächsten Wochen förmlich als Juniorpartner der RfH auf; ein Brief an deren Leiter Dr. Richard Strahl liest sich wie ein Bewerbungsschreiben, in welchem die Vorzüge der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ herausgehoben wurden: „Unsere Hauptaufgabe ist es. das Deutschtum im Saargebiet durch Wort, Schrift und Tat zu erhalten und zu stärken, und die Wiedervereinigung des vorläufig losgelösten Gebietes mit dem Mutterlande in jeder Weise anzustreben. Mit allen Mitteln arbeiten wir darauf hin, daß das losgelöste urdeutsche Saarland wieder zu Deutschland zurückkehrt. [.„1 Vaterländisch gesonnene Männer und Frauen haben wir als Vertrauensleute gewonnen, die mit und für uns unermüdlich¬ tätig sind. In engster Fühlungnahme nnt der Zentrale für Heimatdienst wollen wir die uns gesetzte Aufgabe erfüllen, indem wir der Ansicht sind, daß es überaus förderlich ist, wenn wir auf unsere Weise die Bestrebungen des Heimatdienstes mitzuunterstützen suchen. Die Organisation und 17 „Bericht über den Aufbau der Rheinischen Volkspflege und ihre einzelnen Arbeitszweige“ (21.08.20), in: BA-R 1603/2154. 18 Die Übermittlung der vertraulichen Informationen erfolgte über Kuriere, die mit Koffer-Funkgeräten ausgestattet waren: Vgl. ebd.; „Rapport au sujet du .Heimatdienst“' (16.07.20), in: MAE, Allemagne 415. Dabei stützte sich die RfH vor allem auf Personen, die aus beruflichen Gründen zwischen beiden Rheinseiten pendelten: Vgl. Reimer, S. 174: RICHTER: Reichszentrale für Heimatdienst, S. 40. 19 Vgl. Politische Richtlinie Nr. 1 (07.11.19), zitiert bei: Wippermann, S. 426. Auch dies wurde den Franzosen bekannt: Vgl. „Rapport au sujet du .Heimatdienst'“ des E.M.A. (16.07.20), in: MAE. Allemagne 415. 2Q Aus Gründen der Glaubwürdigkeit und Effizienz hielt es von Friedberg für notwendig, in allen besetz¬ ten Gebieten nur jeweils dort gebürtige Agitatoren einzusetzen: Vgl. Protokoll der Sitzung im PrMI vom 14.08.19 (18.08.19), in: BA-R 1603/2277. 127