bayerischen Staatsregierung unterstützten die Reichsbehörden diesen hierarchischen Kurs, da er für sie die Kontakte auf einen zentralen Ansprechpartner reduzierte. Parallel zu seiner publizistischen Tätigkeit und ersten Hilfsmaßnahmen für das Saar¬ gebiet rührte Vogel schon im Sommer 1919 kräftig die Werbetrommel für die Grün¬ dung lokaler Saarvereinigungen im Reich. In dieser Anfangs- und Aufbauphase der Saarvereinsbewegung ging die Initiative zur Gründung lokaler Zweigvereine meist von der Berliner Zentrale aus73. Dabei kamen ihr die mannigfachen persönlichen Bekanntschaften Vogels74 sowie das frühe Engagement der Geschäftsstelle in der Flüchtlingsfürsorge zugute, über welches sie relativ einfach die ausgewiesenen Saarländer erreichte. Wandte sich ein Bittsteller in einer persönlichen Angelegenheit an Vogel, gingen ihm mit dem Antwortschreiben zugleich Informationsmaterial und ein Kartenblock zur Mitgliederwerbung zu75. Sobald in einer Stadt ausreichend viele Einzelmitgliedern rekrutiert waren, beauftragte die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ eine ihr geeignet scheinende Person mit der Gründung einer lokalen Vereinigung. Mitunter ergingen hierfür sehr detaillierte Instruktionen. Gemessen an der Zahl von oben gesteuerter Ortsgruppengründungen bildeten die Gründungen „von unten“, also die nach Zeitungsinseraten erfolgten Zusammen¬ schlüsse in der Frühphase die Ausnahme. Wenngleich sich vor der Abtrennungszeit kein saarspezifisches Eigenbewußtsein entwickelt hatte, so soll das nicht heißen, daß die Idee des Zusammenschlusses von Saarländern im Reich originär den Reihen des Saargebietsschutzes bzw. der späteren Geschäftsstelle „Saar-Verein“ entsprungen wäre. Schon vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages existierte in Düsseldorf ein „Verein der Saarländer für Düsseldorf Stadt und Land“, der mit der im November des gleichen Jahres gegründeten Saarländervereinigung Berliner Prägung nichts gemein hatte76. Wie die Beispiele von Kaiserslautern, Konz, Mannheim, Speyer oder Trier zeigen77 78, war zur Bildung einer Ortsgruppe allerdings weitaus mehr erforder¬ lich, als daß zahlreiche Saarländer in einer Gemeinde lebten. Es hing stark von der Initiative und den Leitungsqualitäten der jeweiligen Vorstände ab, ob sich eine Gruppe behaupten konnte oder sich - wie im Fall Dresdens - nach kurzer Zeit wieder auflöste7s. Verliefen die Versuche, eine Ortsgruppe gründen zu lassen, ergebnislos, 73 Vgl. SF 1 (1920) 23, S. 243; SF 2 (1921) 2, S. 23; SF 2 (1921) 4. S. 47; SF 2 (1921) 6, S. 75; SF 2 (1921) 10, S. 139. Vgl. Aufruf des BdS (November 1920), in: BayHStA, Varia 264. 4 BOHR (S. 141 undS. 146 f.) hat dieses Charakteristikum der saarländischen politischen Kultur treffend als leistungsfähiges „System von .Brückenköpfen1 informeller Sozialbeziehungen“ beschrieben. 73 Zur Mitgliederwerbung in der Frühphase vgl. den umfangreichen Schriftwechsel in: BA-R 8014/141-145. 7r> Zu Düsseldorf vgl. „Düsseldorfer Nachrichten“ Nr. 122 (04.06.19). Beispielsweise gründete sich die Konzer Gruppe erst Anfang 1934, zählte aber schon bald 320 Mit¬ glieder: Vgl. den Schriftwechsel zwischen Ortsgruppe und der GSV, in: BA-R 8014/453. Ähnlich verhielt es sich im pfälzischen Speyer, wo zwar etwa 220 Abstimmungsberechtigte lebten, die Grün¬ dung einer Ortsgruppe aber ebenfalls erst 1934 von Frankenthal aus erfolgte: Vgl. undatiertes Verzeich¬ nis der Abstimmungsberechtigten der Stadt Speyer, in: StA Speyer, Best. 6/ IA17d sowie den Schrift¬ wechsel zwischen der Ortsgruppe und der GSV, in: BA-R 8014/339 und 602. 78 Vgl. SF 3 (1922) 7, S. 112. Siehe auch BA-R 8014/310. 81