Organisation die Umstände seiner Verbannung aus Saarbrücken mitzuteilen26. Vogel kämpfte zwar bis zur Abstimmung 1935 um die Anerkennung der Rechtsungültigkeit seiner Ausweisung und gab sich zumindest im Frühjahr 1919 noch der Hoffnung hin. daß der gegen ihn erlassene Beschluß spätestens mit Abzug des französischen Militärs wieder aufgehoben werden würde, doch hätte er an der Saar kaum wieder Fuß fassen können. Aufgrund der starken französischen Position in der saarlän¬ dischen Privatwirtschaft schied die Möglichkeit aus, in seiner bisherigen Stellung als Sekretär der Bergwerksdirektion zu arbeiten - geschweige denn. Karriere zu machen. Die Rückkehr nach Saarbrücken hätte für einen so standesbewußten Menschen wie Vogel den nicht hinnehmbaren sozialen Abstieg bedeutet. Die Stelle als Verwal¬ tungsdirektor der Geschäftsstelle ..Saar-Verein“ hingegen brachte nicht nur einen Prestigegewinn, sondern Vogel befand sich verglichen mit anderen Ausgewiesenen dieser Zeit in einer günstigen finanziellen Position. Unter diesen Umständen schied er auf eigenen Wunsch zum 1. Oktober 1919 aus dem Staatsdienst aus27. Ihm wurde sogar während eines Aufenthaltes in Weimar von seiten der DVP an¬ getragen, für den Reichstag zu kandidieren. Möglicherweise war es der Idealismus, mit dem er an seine neue Aufgabe heranging, oder sein soldatisches Pflichtbewußt¬ sein gegenüber seinen einstigen Vorgesetzten, die Vogel diese Offerte ausschlagen ließ. Es ist schwierig, die hinter einer Fassade aus Patriotismus, preußischem Dienst¬ ethos und Obrigkeitsgehorsam verborgenen tatsächlichen Beweggründe Vogels für sein Wirken zu benennen. Er selbst behauptete, „aus Haß gegen die Franzosen und aus Liebe zu [seiner...] Saarheimat“ tätig geworden zu sein* 2*, was angesichts seiner Biographie plausibel klingt: Der Offizier Vogel hatte den militärischen Zusammen¬ bruch in der sicheren Heimat erlebt und zählte damit zu denjenigen, die das Vaterland nicht bis zuletzt an der Front verteidigt hatten. Sein propagandistischer Feldzug gegen die französische Besatzung, gegen Völkerbundsregierung und Pariser An¬ nexionspläne, könnte als Mittel der persönlichen Psychohygiene sein Weg gewesen sein, dieses Defizit auszugleichen. Der Drang, seinen Haß gegen die Franzosen abzuarbeiten und sich durch die „Rettung der Saar" für die erlittene Niederlage zu revanchieren, wurde für Vogel zur Obsession. Zweifelsohne wird es dem ehrgeizigen und auf Prestige bedachten Protestanten auch geschmeichelt haben, in leitender Position ohne unmittelbare Vorgesetzte zu wirken. Er glaubte fest an die Omnipotenz der Propaganda, die - wenn sie nur geschickt genug betrieben würde - die gewünsch¬ ten Erfolge zeitigen müsse. Offiziell begründete Vogel die Ablehnung des angetrage¬ nen Reichstagsmandats mit seiner Tätigkeit in der Geschäftsstelle „Saar-Verein“, für 26 Vgl. Brief Herwigs an Vogel (29.04.19), in: LA Saarbrücken, NL Vogel 6. Herwig, zugleich erster Vorsitzender des nationalliberalen Wahlvereins in Saarbrücken, hatte sich 1910 für Vogels Wechsel z.ur Burbacher Hütte eingesetzt: Vgl. Brief Herwigs an Vogel (03.07.10), in: LA Saarbrücken, NL Vogel 3. 2 Vgl. Brief Vogels an das PrMHandel (August 1919), in: LA Saarbrücken, NL Vogel 3. “ Brief der GSV an H. Reuter (01.07.21), in: BA-R 8014/160. Vgl. mit gleichem Tenor: Brief Vogels an Hans Weiser (18.12.19), in: BA-R 8014/341. 70