gegen das Heimtückegesetz konnte Merkelbach-Pincks Meldung an Minister Meißner, an ein Staatsorgan, auch nicht ausgelegt werden. Von einem Verfahren wegen falscher Anschuldigung riet die Oberstaatsanwaltschaft Frankfurt schlie߬ lich ab, da bei der Beweisaufnahme die vertriebenen Nonnen angehört werden müssten, was in Lothringen einen weiteren Eklat heraufbeschwören hätte.™'' Hiegel schrieb über Merkelbach-Pinck, dass sie sich für vor dem Volksgerichtshof angeklagte Lothringer eingesetzt und Pfarrer Seelig vor dem Tod bewahrt habe.786 Der gute Bekannte Merkelbach-Pincks war ins Konzentrationslager Dachau ver¬ schleppt worden, nachdem ihn August Rohr, später Leiter des Saargemünder Knabenchors und SS-Unterscharführer, bei der Gestapo denunziert hatte: „Seelig war ein Deutschenhasser, ich will besser sagen ein Todfeind Hitlers.“™7 In Partei¬ kreisen beschwerte man sich über die kirchliche Tendenz von Merkelbach-Pincks Volkskunde. Mitte 1941 endete auch ihre Zusammenarbeit mit dem Ahnenerbe. Für den SD war „ihre weltanschauliche Gegnerschaft zum Nationalsozialismus eindeutig belegt“.™8 1943/44 schließlich verlangten die Nationalsozialisten von ihr, ihre volkskundlichen Arbeiten und Sammlungen von christlichen und regio- nalistischen Inhalten zu säubern und ihr wurde der Westmarkpreis verweigert.™9 Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Angelika Merkelbach-Pinck weiter in der christlichen Bewegung. Sie starb am 25. September 1972 bei einem Besuch in ihrem Geburtsort Lemberg. Kirchliche Volkskunde Die volkskundlichen Leistungen Merkelbach-Pincks wurden nicht von allen ihren Kollegen geschätzt. Für die Westmärkischen Abhandlungen sandte der Volks¬ kundler Will-Erich Peuckert eine Rezension an Halber, in der er Merkelbach- Pincks Lothringer Volksmärchen verriss. Ihre träumerischen Versuche, ein an¬ gebliches Urbild des Märchen in einem Märchenbuch für Kinder wieder zu erschaffen, seien ihr gründlich misslungen. Wer Volksmärchen aus Lothringen erzählen wolle, schimpfte Peuckert, solle darunter keine isländische Troll¬ geschichte mischen, die der mitteilende Gewährsmann irgendwann irgendwo gehört habe.790 Bei der freundschaftlichen Beziehung, die die Familie Halber mit Merkelbach-Pinck verband, ist es nicht verwunderlich, dass Peuckerts Besprechung 7X7 BABL, R70 Lothringen/20, f. 20r, 16v-17v: BdS Lothringen-Saarpfalz, Vermerk v. 3.7.1942. Xl’ H. Hiegel, „Deux folkloristes lorrains“, 110. 8 BABL, R70 Lothringen/20, f. 11: Nätscher, Vermerk v. 1.7.1942; cf. August Rohr, „Briefe von der Front“, Heimatbrief: An unsere Soldaten und RAD-Männer des Kreises Saargemünd/ Westmark, Hg. Kreisleitung Saargemünd (Sept. 1944), Folge 7; den Hinweis auf Rohr ver¬ danke ich Lionel Boissou. ™x BABL, R70 Lothringen/20, f. 12-14: Nätscher, Vermerk v. 1.7.1942, Zitat f. 12. ™t' H. Hiegel, „La germanisation“, 88. 790 ADM, 1W234: Will-Erich Peuckert, „Die Kunst des Märchenerzählens: Angelika Merkel¬ bach-Pinck: Volksmärchen aus Lothringen“ [ca. 6.7.1941, 1]. 413