Doch dies waren nur kurzzeitige Kampagnen, die nicht im Zentrum der national¬ sozialistischen Ideologie und Politik standen. Mit der faschistischen Annexions¬ politik, namentlich in Elsass-Lothringen, hatte Christmann keine Probleme und spätestens im Zweiten Weltkrieg bekannte sich Christmann öffentlich zum rassi¬ schen Antisemitismus.309 Nach der Machtübernahme überzeugte Christmann die politische Führung von seiner ideologischen Nähe und politischen Loyalität und trat am 1. April 1933 in den NS-Lehrerbund ein.310 311 Da die Aufnahmesperre, die die Partei im Mai 1933 erließ, nicht für HJ, NSBO, SA und SS galt, benutzte Christmann, wie viele andere, diese Seiteneinstiege in die nationalsozialistische Bewegung. Er trat im März 1936 der SA’" und 1937 dem NSD-Dozentenbund bei. Der NSV gehörte er seit ihrer Gründung an. Christmann war Mitglied im Kampf¬ bund für deutsche Kultur und im Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte, ferner im VDA, der ihm 1939 das Ehrenzeichen für deutsche Volkstumspflege verlieh. Christmann war keine Karteileiche, er war aktiver Nationalsozialist und nahm in Partei-Gliederungen verantwortliche Posten ein. Ab 1936 leitete er die Hauptstelle für Schulung und Rassefragen im NSLB-Saarpfalz. 1938 wurde er im NS-Lehrer- bund Gausachbearbeiter für Volkstumsforschung. Er war Lektor der Reichsstelle für Förderung des deutschen Schrifttums des Amtes Rosenberg.312 Als Volkskunde¬ professor stellte sich Christmann in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie und arbeitete außer für das Amt Rosenberg, in dessen Germanen-Erbe er veröffent¬ lichte, auch für das mit dem Amt Rosenberg verfeindete SS-Ahnenerbe zusammen. Im Gau war Christmann einer der zentralen nationalsozialistischen Wissenschaftler, der über ausgezeichnete Verbindungen zum Gaukulturamt - Kölsch war an der LBA Kaiserslautern sein Schüler gewesen - und zum NS-Lehrerbund verfügte. Mit vielen NS-Kreisleitern und anderen Funktionsträgern im Gau, die zum Teil eben¬ falls bei ihm die Lehrerausbildung absolviert hatten, war er persönlich bekannt.313 Im Krieg unterstützte er die faschistische Propaganda. In der gleichgeschalteten PGFW 1933 und im Saarpfälzischen Institut 1936 wurde Christmann Abteilungsleiter. Im Saarpfälzischen Institut arbeitete Christmann „sachlich und überzeugt“ mit der westmärkischen Auswandererforschung von Fritz Braun zusammen. 1936 berief ihn die neu gegründete HfL Saarbrücken als kommissarischen Dozent für Volkskunde.314 Die akademische Voraussetzung zur 309 Emst Christmann, „Lothringische Ost-Auswanderung“, Die Westmark, 10 (1942/43), 10-14, hier 12. 10 BDC, Christmann: NSLB-Nr. 15 056; cf. BayHStA, MK 15553, Akte Christmann: Frage¬ bogen v. 5.10.1941. 311 Weißbecker, „NSDAP“ 3: 503; BayHStA, MK 15553, Akte Christmann: Bescheinigung der SA-Standarte 23 v. 19.3.1937: 50-jährig mühte sich Christmann durch das SA-Sportabzeichen in Bronze. 312 BayHStA, MK 15553, Akte Christmann: Fragebogen v. 5.10.1941. 313 Christmann an Wolfanger v. 31.7./3.8.1970, 4 u. 3; cf HMP, G/Besprechungsbelege, Christmann allg.: Pfleger (Bürgermeister St. Avold) an Christmann v. 16.12.1941. 14 W. Alter, „Christmann“, 9; cf Christmann an Wolfanger v. 31.7./3.8.1970, 1. 227