Abteilung, der frisch gekürte nationalsozialistische Rektor der Kieler Universität K. Lothar Wolf ausgesucht, der 1937 Vollmitglied wurde.128 Damit die PGFW ihre Arbeit „im Sinne völkischer Wissenschaft, d. h. einer inneren verantwortlichen Bindung der Forschung an den ewigen Volkswert“ verrichte, sollte sie „die Beziehung zu den lebendig-geschichtsbildenden Kräften“ aufnehmen, also zu Volk und Rasse. Dies band die Pfälzer Wissenschaft einer¬ seits an die Partei, denn 1934 war die NSDAP die einzige Kraft im Deutschen Reich, die bestimmen durfte, was „geschichtsbildend“ sei. Andererseits waren gerade die Leitbegriffe der NS-Weltanschauung, wie „Rasse“, „Reich“, „Gemein¬ schaft“ oder „Ordnung“ so konturlos gehalten, dass sie als Einladung zur wissen¬ schaftlichen Interpretation aufgefasst werden konnten. Eine Einladung, die von den Wissenschaften im Nationalsozialismus angenommen wurde.129 130 Die PGFW hatte andererseits eine gewisse Handlungsfreiheit behalten können, denn sie sollte „auf die vorhandenen geschichtlich-volkhaften Wirklichkeiten“ Einfluss nehmen und eine Kontrollfunktion ausüben. In Zukunft durfte in der Pfalz keine wissen¬ schaftliche Forschung ohne eingehende Unterrichtung der PGFW betrieben werden. Alle Verbindungen mit nichtpfalzischen wissenschaftlichen Institutionen sollten über sie laufen. Die neue PGFW wurde zum Ausführungs- und Zensur¬ organ der pfälzischen NS-Wissenschaftspolitik und unterstützte die Politik ihres Gauleiters. Besonders durch die wissenschaftliche Untermauerung des Westmark- Mythos half sie Bürckel, den Gau von Bayern zu lösen"0 und im Saarkampf einer neuen territorialen Grundlage zuzuführen. 2. Neue Forschungsinhalte Die geschichtlichen Zweige der gleichgeschalteten PGFW wurden entlang der nationalsozialistischen Westmark-Ideologie ausgerichtet. Alle Grenz- und Regio¬ nalforschung musste den Bezug zum Reich und zum Volksganzen hersteilen. Der Nationalsozialist Professor Karl Alexander von Müller war für eine führende Position in der Abteilung für Geschichte und Kunstgeschichte vorgesehen.131 * Als 128 BayHStA, MK 15551: Kölsch, Denkschrift ... [vor dem 1.6.1933]; cf. Kölsch an Schemm v. 1. u. v. 20.6.1933; BayHStA, MK 15552: Emrich an BayKM v. 15.8.1937. Karl Ludwig Lothar Wolf: * 14.2.1901 in Kirchheimbolanden, 1933 Rektor Univ. Kiel, 1936 Univ. Würzburg; CDJC, CXXIXa-94: Adjutant Rosenbergs an SS-Gruppenführer Wolff v. 14.5.1937; DBA II, 1424: 385- 88; Helmut Heiber, Universität unterm Hakenkreuz, T. 2: Die Kapitulation der Hohen Schulen: Das Jahr 1933 und seine Themen (München: Saur, 1992) 1: 442-50, 271, 126-36, 436-39. 129 Lutz Raphael, „Radikales Ordnungsdenken und die Organisation totalitärer Herrschaft: Weltanschauungseliten und Humanwissenschaftler im NS-Regime“, Geschichte und Gesell¬ schaft, 27 (2001), 5-40, hier 28-29; Oexle, „Frage der Emigranten“, 53. 130 Schepua, ^Sozialismus der Tat‘“, 579. 131 Applegate, Nation, 210 irrte, als sie die an von Müller gerichtete Einladung zur Mitglied¬ schaft in der PGFW für deren Annahme hielt. 195