Verglichen mit den französischen Aktivitäten im Saargebiet nahm sich die wissen¬ schaftliche Kulturpropaganda in der Pfalz bescheiden aus.’ Zuerst als Offizier im Generalstab der Armeegruppe Fayolle, später privat nahm der französische Professor Adolphe Z. Burguet seine Hörer in pfälzischen und außerpfälzischen Orten verschiedene Male im Jahre 1920 mit auf „Streifzüge durch die französische Kultur“. Burguet, der in Heidelberg und Marburg studiert hatte und die deutsche Sprache gut beherrschte, war ein ausgezeichneter Kenner deutscher Befindlichkeiten. Der Chef der deutschen Gegenpropaganda im Rheinland, der Rheinischen Volks¬ pflege (RVP), beschrieb ihn als gewinnende Erscheinung.* 4 * Burguet sprach über „französische Musik und Tonkünstler“ und skizzierte „Frankreichs Frauenwelt“. Seine dritte Lesung „Ueber Ursprung und Charakter des französischen Volkes“ legte „dessen Physiologie als auch dessen Psychologie und ethnische Beschaffen¬ heit“ dar, griff aber scharf das „Bluthaß“ predigende Rassenstudium an. Seine Vorträge ließ Burguet in Kaiserslautern und Mainz veröffentlichen." Das französische Militär suchte die Pfalz aus dem Deutschen Reich und aus Bayern herauszulösen und in den französischen Einflussbereich zu ziehen, wozu sich der Weg über eine politische Autonomie oder gar territoriale Abtrennung der linksrheinischen Gebiet anbot. Um „an der französischen Grenze einen ersten autonomen Block“ zu schaffen,6 ließ General de Metz, wie er es ausdrückte, „alle Teufel auf die Pfalz los“7 8 und unterstützte separatistische Aufstandsversuche. Besonders heftig tobten die Kämpfe 1923, als französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet besetzten, worauf die Reichsregierung in den besetzten Gebieten den passiven Widerstand ausrief. Mit französischer Rückendeckung übernahmen im Herbst und Winter 1923/24 separatistische Bewegungen in den linksrheini¬ schen Gebieten die Regierungsgewalt. Obstruktionsversuche der deutschen Ver¬ waltungen oder politische Gegenwehr beantwortete Frankreich auch in der Pfalz mit Verhaftungen, massenhaften Ausweisungen und Verurteilungen/ ln der Chronik Die Pfalz unter französischer Besatzung von 1918 bis 1930: Kalendarische Darstellung der Ereignisse vom Einmarsch im November 1918 bis zur Räumung am 1. Juli 1930, Hg. v. Bayerischen Staatskommissar für die Pfalz [Heinrich Jolas] (München: Süddt. Monatshefte, 1930) finden sich kaum derartige Hinweise. Das Centre d’Etudes Germaniques in Mainz kann als Ausbildungsstätte für französische Offiziere nicht zur französischen Kultur¬ propaganda am Rhein gezählt werden; Corine Defrance, „Eine französische Bildungsanstalt auf dem linken Rheinufer: Das ,Centre d’Etudes Germaniques1 in Mainz (1921-1930)“, Die Pfalz unter französischer Besatzung (1918/19-1930), Hg. Wilhelm Kreutz, Karl Scherer, Beiträge zur pfälzischen Geschichte, 15 (Kaiserslautern: IpGV, 1999), 255-79. 4 [Rühlmann, Pseud.] Hartmann, Französische Kulturarbeit, 56-58. Adolphe Z. Burguet, Streifzüge durch die Französische Kultur, Bd. 1: Ueber Französische Musik und Tonkünstler (Kaiserslautern: Rohr [1919]), 1; cf. id., Streifzüge durch die Franzö¬ sische Kultur (Mainz: Herzog, 1920), 67; Pfalz ... von 1918 bis 1930, 63, 84, 90; 1923/24, 33. 6 De Metz an Tirard v. 13.11.1923, zit. nach Hüttenberger, „Methoden“, 118. 7 1923/24, 123. 8 1923/24, 41-43, 69-71, 122-24; Helmut Gembries, „Krisenfall Pfalz: Der pfälzische Raum in den frühen Jahren der Weimarer Republik“, Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 20 (1994), 251-71; Jonathan Osmond, „Die ,Freie Bauernschaft1 und der Separatismus: Bauernpoli- 174