Preußische Rückgliederungsgutachten Als dem Gauleiter von Koblenz-Trier Simon und dem Regierungspräsidenten in Trier Konrad Saaßen347 Mitte 1933 Pläne ruchbar wurden, dass das Saargebiet nach der Rückkehr ins Reich statt der Rheinprovinz der Pfalz angegliedert und damit Simons Konkurrenten Bürckel übertragen werden sollte,34* trugen sie Mitte November 1933 bei der preußischen Regierung ihren Protest vor.349 Die geopoliti- schen, wirtschaftlichen und ethnischen Verhältnisse drängten darauf, den früheren Zustand wiederherzustellen. Abgesehen von den ehemals bayerischen Oberämtern St. Ingbert und Homburg wolle die Bevölkerung des Saargebietes von den pfälzi¬ schen Bestrebungen nichts wissen. Saaßen führte zwei wissenschaftliche Gut¬ achten über die ethnographischen Zusammenhänge zwischen dem Saargebiet und seinem nördlichen Nachbarn an. Das eine stammte vom Leiter des Trierer Stadt¬ archivs Gottfried Kentenich,55'1 das andere von Steinbach. Wie Aubin und andere Landeshistoriker zeitlebens an der Länderreform interessiert,547 551 forderte Steinbach die Rückgliederung des Saargebiets an die preußische Rheinprovinz.552 553 In diesem Fall hätte niemand seinem IGL die wissenschaftliche Führung über die Saarlande streitig machen können. Steinbach betonte die politisch-militärischen und wirtschaftlichen Verbindungen des Saargebiets zu Trier und lehnte eine Zerstückelung der Rheinprovinz in Querzonen ab, wie sie die Gaueinteilungen der NSDAP darstellten.35’ Überdies zerschnitt Steinbach die Pfalz entlang der Haardt-Linie; die Westpfalz überant¬ wortete er samt dem Saargebiet der preußischen Rheinprovinz und die pfälzische Rheinebene sah er für einen neu zu schaffenden „rheinfränkischen Bezirk“ um die wirtschaftlichen Zentren Mannheim, Ludwigshafen und Karlsruhe vor. Die „fun¬ damentalste Tatsache der westdeutschen Stammesgliederung“ sei die Verknüpfung der Westpfalz über Saarbrücken und über Kreuznach und Frankfurt mit dem Nor¬ den: „Eine Verkoppelung von Saarbrücken über Kaiserslautern mit Ludwigshafen 547 DBA II, 1114: 127-29. 348 Wolfanger, „Bürckel und Simon“, 397-409. 549 Regpräs. von Trier an PrMdi v. 14.11.1933; zit. nach Jacoby, Nationalsozialistische Herr¬ schaftsübernahme, 224-26. Hans-Walter Herrmann, „Pfalz und Saarland in den Plänen zur Neugliederung des Reichsgebietes 1933-1941“, Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, 83 (1985), 321-61, hier 324. 550 Leesch, Deutsche Archivare, 2: 303. 31 Franz Steinbach, „Was sagt die geschichtliche Landeskunde der Rheinlande zum Problem der Neugliederung des Bundesgebietes?“ Collectanea Franz Steinbach: Aufsätze und Abhand¬ lungen zur Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, geschichtlichen Landeskunde und Kulturraumforschung, Hg. Franz Petri, Georg Droege, Veröffentlichungen des Instituts fur ge¬ schichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn (Bonn: Röhrscheid, 1967), 56-63; Reuling, „Zwischen politischem Engagement“, 315; Karl Teppe, „Politik und Wissen¬ schaft im Diskurs: Die Debatte um die Neugliederung des Bundesgebietes in den 1950er Jahren“, Westfälische Forschungen, 49 (1999), 437-71, hier 448-50. 3^ Zum Folgenden: Jacoby, Nationalsozialistische Herrschaftsübernahme, 160-61. 553 Horst Romeyk, Verwaltungs- und Behördengeschichte der Rheinprovinz ¡914-1945, Publika¬ tionen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde, 63 (Düsseldorf: Droste, 1985), 43. 145