Staatsmacht, ohne jede mitschwingenden Töne eines Nationalgc'/w/tA“.380 Um das Vordringen der Franzosen in das Gebiet der deutschen Nation, Kultur und Sprache aufzuhalten, überschritt Sante die deutsch-französische Staatsgrenze nach Elsass-Lothringen. Ein „nur £w//wr-politische[r] Schutz des Deutschtums“ wurde von Sante als Rührseligkeit abgetan; nötig seien politisch-territoriale Ziele: „Man braucht irgendeine politische Versteifung, keineswegs eine Angliederung, die sich im Osten schon aus geographischen Gründen verbietet, aber an der Westgrenze tut sie es nicht, daher wird z. B. Wolfram von den Franzosen immer als Schritt¬ macher einer Rückgliederung Elsass-Lothringens verschrieen sein, und wenn er mit Engelszungen solche Ziele ableugnete. Und wir können es uns unter dem Schutze des Briefgeheimnisses wohl zugestehen, dass wir irgendeinen politischen Einschuss brauchen, um unsere Kulturpolitik nicht zum reinen Gefühl erweichen zu lassen [,..].“381 Politische Stellen Anfang März 1930 stattete Sante den Berliner Ministerien und der Notgemein¬ schaft Bericht ab. Haslinde vom Kultusministerium und Schmidt-Ott standen hinter dem Saar-Atlas. Oberregierungsrat Faust vom Innenministerium und Minis¬ terialrat Mayer vom Reichsministerium für die besetzten Gebiete zögerten.382 Faust wies auf die Saarverhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Frank¬ reich hin und machte die Gestaltung des Saar-Atlasses von deren Ausgang ab¬ hängig. Im Falle ihres Erfolges und einer Rückgliederung des Saargebiets sei die Aufzeichnung der saarländisch-lothringischen Grenzübergänge „unbedenklich“. Bei einem Scheitern der Verhandlungen aber wäre es gefährlich, „in einem für breitere Kreise bestimmten Atlaswerk die Beziehungen zum Westen zur Dar¬ stellung zu bringen“. In den Köpfen der Berliner Ministerialbeamten funktionierte das Saargebiet wie ein Territorialmagnet: In der Hand des Feindes zog es deut¬ sches Grenzland an, wiedergewonnen konnte man es gegen Lothringen richten. Auf Grund der politischen Bedenken behielten sich die Ministerien die Ent¬ scheidung vor, „ob und wann das Erscheinen des geplanten Atlas zweckmäßig sei“.38' In der SFG drängte derweil Steinbach auf einen „politischen] Saaratlas“, doch Aubin setzte einen Kompromiss zwischen einem Mittel zur Volks- und zur politischen Bildung durch.384 Im Oktober 1931 fand wieder eine große Saar-AtlasSxtzxmg im preußischen Wis¬ senschaftsministerium statt. Von den achtzehn Teilnehmern waren vierzehn Beamte 38U HessHStA, 1150/69: Sante an Aubin v. 28.4.1931, 1-2; cf. HessHStA, 1150/68: Sante, Grundlinien des Saar-Atlas v. 6.3.1930, 1. 381 HessHStA, 1150/69: Sante an Aubin v. 28.4.1931, 3-5. ’8_ HessHStA, 1150/68: Steinbach an Sante v. 14.3.1930; Sante, Grundlinien des Saar-Atlas v. 6.3.1930, 1,3: Anmerkung Santes [ca. 7.3.1930]; Linsmayer, Politische Kultur, 355 u. 504. 383 HessHStA, 1150/68: Schmidt-Ott [Protokoll der Besprechung] v. 7.3.1930, 1-3, Zitate 2 u. 1. 84 HessHStA, 1150/68: Sante, [Saar-/4/7<3i-Besprechung in] Kreuznach am 2.8.1930 [1]. 115