der deutschen Saarforschung politische Voreingenommenheit vorwerfe. Schmidt- Ott schloss nicht aus, WFG-Mitglieder in die SFG aufzunehmen. Doch als Steinbach den Geographen Professor Leo Waibel aus Bonn vorschlug, wurde er abermals von Schmidt-Ott zurechtgewiesen: „Vorbedingung für Aufnahme in die Forschungsgemeinschaft müsse wie bei der Akademie die vorhandene Leistung sein.“261 Steinbach war brüskiert. Nur Aubins vermittelndes Eingreifen konnte ein offenes Zerwürfnis verhindern. Steinbach ließ in der Folge keine Gelegenheit vergehen, sich an der SFG, mit Vor¬ liebe an Sante zu rächen, den er für die erlittene Schmach verantwortlich machte und der leichter zu treffen war als der unanfechtbare Schmidt-Ott. Im Anfang war der persönliche Umgang zwischen Steinbach und Sante noch freundschaftlich gewesen; Steinbach war ihm und Hermann Overbeck mit seinen Kenntnissen zur Geschichte der Westgrenze an die Hand gegangen und hatte Santes Saar-Atlas- Projekt unterstützt.262 Doch nach der Trierer Tagung war das Tischtuch zwischen WFG und SFG zerschnitten. Bei der Herausgabe des Saar-Atlasses wurde der Familienzwist in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Einen endgültigen Bruch zwischen dem IGL und der SFG allerdings vermied Steinbach. Seine Geschichts¬ abteilung setzte fort, was als nationale Pflicht angesehen wurde, und veranstaltete zahlreiche Vorträge bei den historischen Arbeitsgemeinschaften und Vereinen des Saarlandes. Dafür konnte das IGL Ressourcen und Infrastruktur der SFG und der von Sante organisierten Arbeitsgemeinschaft Saarländischer Heimatvereine und Heimatmuseen nutzten. Bis zur Volksabstimmung vervielfachte sich der Saar¬ einsatz des IGL und des Vereins für geschichtliche Landeskunde noch und die persönlichen Beziehungen ins Saargebiet wurden ausgebaut.263 Dies war nicht der einzige Konflikt zwischen einzelnen Mitgliedern der SFG. Auf die heterogene Zusammensetzung der SFG, „hier die saarländischen Vereins¬ vertreter bzw. Schullehrer, dort die arrivierte deutsche Professorenschaft“ wies Linsmayer hin. Missverständnisse hinsichtlich Anspruch und Richtung der SFG blieben nicht aus.264 Schmidt-Ott und Aubin hatten gehofft, dass die saarländische Heimatforschung die angebotene akademische Leitung annehmen würde. Doch sträubte man sich an der Saar gegen die Bevormundung und bald entstand ein LASb, SM 12: Schmidt-Ott, Aubin, Mitgliederversammlung der SFG am 10.9.1932, 5 u. 3; cf. Schmidt-Ott, Aubin, Mitgliederversammlung der SFG am 10.9.1932, 6. Leo Waibel (1888- 1951): Johann Christian Poggendorff, Biographisch-literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften, Bd. 7a, T. 4: S-Z: Berichtsjahre 1932 bis 1953, unter Mitw. d. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Göttingen, Heidelberg, München u. Wien hg. v. d. Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Red. Rudolph Zaunick, Hans Salié (Berlin: Akad.- Verl., 1959), 829-30; DBA II, 1358: 199-201. 6~ HessHStA, 1150/68: Sante an Bongard v. 4.8.1930, 2; Sante an Steinbach v. 23.10.1930, Overbeck an Aubin v. 6.9.1930; HessHStA, 1150/69: Steinbach an Sante v. 16.12.1931. BABL, R8037/1: Bach an Aubin v. 7.8.1934; LASb, SM 49: Rundschreiben Santes v. 14.6.1932; Nikolay-Panter, „Geschichte“, 242. 264 Linsmayer, Politische Kultur, 349. 95