konnten schon während der Übergangszeit nicht von den steigenden Investitionen der Saarwirtschaft profitieren.124 Sie richteten vielmehr ihren Absatz noch stärker auf Frankreich aus.12" Ein Beispiel im Bereich der Konsumgüterindustrie stellt die Ge¬ schichte der saarländischen Waschmittelfabrik TIP-Werke C. Hartung dar. Nach der Abschottung des saarländischen Marktes gegenüber der Konkurrenz aus Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Unternehmen zunächst eine sehr positive Entwicklung nehmen, die sich auch auf eine rege Innovationstätigkeit stützte. Un¬ mittelbar nach der Eingliederung jedoch verlor das Unternehmen schnell gegenüber der deutschen Konkurrenz an Boden, weil es aufgrund der zu geringen Betriebsgröße und den zu wenig entwickelten Vertriebs- und Absatzmethoden den Übergang zu einem der mittlerweile bereits international organisierten Konkurrenz ebenbürtigen Wettbewerber nicht bewältigen konnte.126 Gerade angesichts der in der Übergangszeit zu beherrschenden enormen Finanz¬ ströme durch den Kapitalzufluß aus Deutschland ist weiterhin die durch die spezielle nationale und politische Vergangenheit des Landes begründete Sonderentwicklung im Bereich der Banken und Versicherungen als besonders wichtig einzuschätzen. Das nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Wirtschaftsanschlusses an Frankreich zügig etablierte saarländische Bankensystem stellte eine im internationalen Vergleich einmalige Regelung dar.12 Dieses konnte zwar im Verlauf der Übergangszeit voll¬ ständig reorganisiert werden, um die Arbeitsfähigkeit des Kapitalmarktes sicher¬ zustellen,12s allerdings blieben gewisse, mittlerweile schon traditionelle Elemente des saarländischen Kreditwesens - insbesondere im Bereich der Unternehmensfinanzie¬ 134 Karlheinz Klein, Erkenntnisse, S. 27; sehr kritisch auch: Johann Latz, Der Saarmarkt zwischen Deutsch¬ land und Frankreich, in: Die Saar, Wirtschaft und Wiedervereinigung (= Der Volkswirt 11 (1957), Sonderheft), S. 15-17, hier: S. 16. 125 Zu den Zahlen vgl. Stat. Amt d. Saarl. (Hg.), Saarländische Bevölkerungs- und Wirtschaftszahlen 9/10 (1957/58), S. 165 und S. 204, sowie - nach der neuen, bundesdeutschen Systematik als eigene Rubrik geführt - Stat. Amt d. Saarl. (Hg.), Saarländische Bevölkerungs- und Wirtschaftszahlen I 1/12 (1959/60), S. 45. und S. 124f. 126 Gerhard Arnes, „VALAN - die Waschmaschine in der Tüte“, in: Stadtverband Saarbrücken, Regional¬ geschichtliches Museum (Hg.), „Stunde 0“, S. 203-220. Die problematische Geschichte saarländischer Diversifizierungsversuche stellte übrigens auch in der zeitgenössischen Reflexion ein wichtiges Thema dar: Besonders vor dem Hintergrund der bis dahin positive Ergebnisse zeigenden Konzentration der Entwicklungspolitik auf den Bereich der Schwerindustrie im benachbarten Lothringen wurde die Tauglich¬ keit einer auf Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur angelegten regionalen Entwicklungspolitik durchaus auch kritisch betrachtet, vgl. Albert Seyler, Lothringen an der Spitze. Das Montangebiet an Saar und Mosel - Unbefriedigende Arbeitsteilung und unterschiedliche Entwicklung, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 5 (1957), S. 30-32. 13 Vgl. hierzu den Überblick bei Weidig, Geldwesen, bes. S. 2ff„ sowie Klaus Martin, Die Errichtung der französisch-saarländischen Währungsunion im Jahre 1947 und die sich daraus ergebenden Maßnahmen des französischen Staates hinsichtlich des Kreditwesens im Saarland, Saarbrücken 1955. 1 "s Detaillierte Informationen zum Reorganisationsprozeß finden sich in: Eduard Martin, Umgestaltung, S. 180-195, sowie in Dohmen, Geld, S. 19-21. Zur Bedeutung des Kapitalmarktes auf die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik zwischen 1952 und 1965 vgl. Wilfried Feldenkirchen u.a., Zur Ge¬ schichte der Unternehmensfinanzierung, Berlin 1990 (= Schriften des Vereins für Socialpolitik, Gesell¬ schaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften N.F. 196), bes. S. 1 15. 97