mediatisierte und schließlich in sich aufsog107. Fürst Wilhelm Heinrich war der erste Fürst, der diese Politik - nachdem sie von seiner Mutter in Ansätzen vorbereitet worden war - konsequent in die Praxis umsetzte108. Er begann damit gleich nach seiner Herrschaftsübemahme und traf vor allem die beiden Saarstädte, deren kommu¬ nale Autonomie am weitesten gediehen war. Schon die zeitgleich mit dem Regierungsantritt erfolgte Gründung des Oberamts, dem "die Justizverwaltung (...) in erster Instanz" übertragen wurde109, bedeutete faktisch eine Konkurrenz für das gemeinsame Stadtgericht, das von nun an in innerstädtischen Zivilstreitigkeiten concurrentem Jurisdictionem mit dem dahiesigen Oberamt hatte110. Als richterliche Appellationsmstanz wurde das Stadtgericht dem Oberamt unterstellt und so auf eine Stufe mit den Dorfgerichten heruntergedrückt, deren Oberhof es zuvor noch gewesen war. Es setzte damit eine Entwicklung ein, die deutlich machte, "daß der Ausbau der Amtsverfassung die Sonderstellung der Städte mindert(e)"111. Zu diesem Behörden¬ ausbau gehörte auch die Gründung eines städtischen Polizeiamtes. Anfang 1745 ließ Wilhelm Heinrich für die beiden Städte sowohl zu genauerer Beobachtung derer zum Aufnehmen des gemeinen Bestens erlaßener heilsamen Verordnungen alß auch zu deßelben künftigen Verbesserung ein besonderes Policey-Amt bestellen, das die Aufgabe besaß, die eingerissenen Mängel und Gebrechen durch summarische Untersuchung corrigiren und verbeßern, nicht weniger die wi[e]der die bereits emanirte(n) undpublicirte(n) Verordnungen begehende(n) Excesse der Gebühr nach ahnden und die muthwillige(n) Verächter solcher herrschaftl(ichen) Verordnungen ernstlich bestraffen zu laßen112. Das Polizeiamt sollte besetzt sein mit Mitgliedern der Rentkammer und des Oberamts, den Vorsitz hatte der städtische Oberschultheiß zu führen113. Das neu gegründete Polizeiamt war eine herrschaftliche Behörde - bezeich¬ nenderweise wurde es häufig 'fürstliches Polizeiamt' genannt -, und folglich war die Polizeigewalt "nicht mehr wie früher Gemeindeangelegenheit, sondern 107 Vgl. grundlegend dazu mit der wichtigsten Literatur: Holenstein, Huldigung, S.378ff. I0S Der Saarbrücker Regierungsrat Rollé erinnerte sich noch im Jahre 1793 daran, daß Fürst Wilhelm Heinrich ein besonder(s) wachsames Aug auf gute, prompte, unparteiische und wohlfeile Justiz- und Policeyverwaltung in Ihro Landen beständig gerichtet und des Endes unzählige Verordnungen und Veranstaltungen getroffen habe, vgl. Rollé, Sammlung: LA SB Dep.HV Abt.A 592, S.25f. 109 Sittel, Sammlung, S.28. 110 Vgl. das Gutachten des Rentkammerassessors Krebs v. 1762 zu den städtischen Privilegien, LA SB 22/2850, fol.52r. 111 Ennen, Organisation, S.103; s.a. van Ham, Gerichtsbarkeit, S.141. 112 Vgl. die Vorschläge (wahrscheinlich der Saarbrücker Regierung) zur Organisation des Polizeiamts, Saarbrücken 23.Januar 1745: LA SB 22/2353, S.499-501 (zit.499). 113 Vgl. ebd., wo es heißt, daß die übrige(n) Membra von der Cammer alß Oberamt ihren Platz zu nehmen haben (LA SB 22/2353, S.500); zum Saarbrücker Polizeiamt und dem Problem seiner personellen Besetzung Rumschöttel, Verwaltungsorganisation, S.217-225, hier die Auseinanderset¬ zung mit der entsprechenden Literatur (Köllner, Ennen u. Scherer); dazu jetzt auch kurz Jung, Ackerbau, S.140, der (wie Köllner, Ennen und Scherer) die Ansicht vertritt, daß der städtische Oberschultheiß den Vorsitz beim Polizeiamt führte. 379