werden konnte222 223. Auch in Saarbrücken war man darauf bedacht, die Angelegenheit zu verschleppen: Erst drei Monate später, Anfang September 1733, war das erste Gutachten der Saarbrücker Regierung fertig - angeblich, wie es hieß, weil ein Mit¬ glied einige Zeit her abwesend gewesen sei und in dieser mit sonderlicher Bewegung betriebenen Sache das Votum nur collegialiter erstattet werden könne224. Die Saar¬ brücker Regierung mußte allerdings nach Einsicht der städtischen Akten225 unumwunden zugeben, daß die beiden Saarstädte hinsichtlich ihrer Waldungen in unverrückter Possession über Menschengedencken bis zur nassau-usingischen Herrschaftsübemahme gestanden hätten. Von daher hätten sie bei einem Processo possessorio auch die besten Aussichten auf Erfolg, weil die bürgerliche Aufsicht und Besorgung ihrer eigenthumlichen Waldungen ratione possessionis (...) hinlänglich zu seyn scheint226. Ferner waren sie nicht nur ratione deren Genußes in den freyen undt unumbschrenckten Gebrauch ihrer eigenthumblichen Waldungen gekommen, son¬ dern auch befugt, analog zu der im Freiheitsbrief von 1322 festgelegten erstin¬ stanzlichen Niedergerichtsbarkeit des gemeinsamen Stadtgerichts cognitionem über die delicta forestalia zu nehmen und in denen Wald Sachen Recht zu sprechen221. Damit hatte die Regierung exakt die Verbindung von Waldgerechtsamen und städti¬ schen Privilegien beschrieben, die von den Städten dauernd in unzutreffender Weise generalisiert und überzeichnet worden war. Die Saarbrücker Regierung machte sich schließlich den absolutistischen Gleichheitsgrundsatz der Usinger Herrschaft zu eigen und fand, daß die Herrschaft einen Entschluß fassen sollte, wodurch die Einrichtung derer Forstaffairen in denen beyden Städten mit der in der gantzen Grafschaft gleichförmig werden könte228. Der Saarbrücker Oberforstmeister war überhaupt nicht einverstanden mit dem Gutachten der Regierung, weil er nichts wissen wollte von einer 'unvordenklichen Pbssession' der Städte an ihren Waldungen. Für ihn zählte nur, daß die Herrschaft sowohl die Jagd- als auch die Forstgerechtig¬ keit über alle Wälder der Untertanen besaß und von daher auch den Städten in nichts nachzugeben brauche, sondern sie durch Zwangsmittel dahin zu bringen habe, wo sie eigentlich hingehörten, nämlich unter die Aufsicht des Oberforstamts. Außerdem fand er, daß wenn in Zukunft etwas nachgegeben werde und dadurch zu befurchten 222 Vgl. das Schreiben der Vormünderin v. lO.Juni 1733 an die Saarbrücker Regierung und das Forstamt: LA SB 22/2866, fol.50. 2:4 Gutachten der Saarbrücker Regierung über die städtischen Forstrechte v. 2.September 1733: LA SB 22/2866, fol.54-63 (zit, fol.54). 225 Vgl. die Anfrag der Saarbrücker Regierung an das gemeinsame Stadtgericht zur Einreichung der Stadtakten v. 23.6.33: LA SB 22/2866, fol.48. 226 Gutachten der Saarbrücker Regierung über die städtischen Forstrechte v. 2.September 1733: LA SB 22/2866, fol.54-63 (zit., fol.55). 227 Ebd., fol. 57v. 228 Ebd., fol.59f. 182