schon aus der außerordentlichen Bedeutung des Waldes als eines zentralen wirt¬ schaftlichen und kulturellen Faktors ergab, nicht vergessen werden209 210. Die Rationali¬ sierung der Forstpolitik im 18.Jahrhundert zeigte sich vor allem in einer zunehmen¬ den Verrechtlichung der Zentralressource 'Wald' durch die Obrigkeit und kriminali¬ sierte daher immer stärker die Rechte und Praktiken der Untertanen, die sich seit Jahrhunderten herausgebildet hatten. Zwei Welten schienen im Wald aufeinander zu prallen: "Rodungsfreiheit und genossenschaftliche Selbsthilfe gerieten in Wider¬ spruch zur Bündelung der Herrschaftsrechte in der Person des Fürsten, der es sich zur Pflicht machte, die als unmündig erachteten Untertanen zu lenken und zu erzie¬ hen"^. Auch in Nassau-Saarbrücken kam es im 18.Jahrhundert zur Rationalisierung der Forstpolitik. Hier wie in fast allen anderen Bereichen auch ging die entscheiden¬ de Initiative von der nassau-usmgischen Vormundschaft aus211. Für den Bereich des Forstwesens gilt dasgleiche wie für die allgemeine Politik, daß Fürstin Charlotte Amalie dort anknüpfte, "wo Ludwig [II.] 1629 stehengeblieben war"212. Bis zum Ende des 16.Jahrhunderts war "wegen Zergliederung derer Nassauischen Landten kein separates Forstambt in hiesiger Grafschaft (Saarbrücken, K.R.) constituiret gewesen"213 und keine Waldordnung publiziert worden214. Erst die Vereinigung der walramischen Länder unter Graf Ludwig und die damit verbundene Zentralisierung der Verwaltung führten dazu, daß zu Beginn des 17.Jahrhunderts Graf Ludwig (...) ein separates förmliches Forstambt constituirér215 und die ersten 209 Vgl. zum herrschaftlichen Jagdinteresse vor allem Blickle, Wald, S.39f und S.42ff.; zum fiskalischen Interesse: Radkau, Energiekrise, S.lOfi; das geradezu selbstverständliche machtpolitische Motiv wird zumeist übersehen. 210 Dipper, Geschichte, S.34. 211 Vgl. dazu auch die Hinweise bei Collet, S.26-33, der zwar erst für das letzte Drittel des 18. Jahr¬ hunderts von einer "rationellen Forstwirtschaft" (S.31) spricht, aber erste Ansätze bereits seit 1728 (bes.S.27-29} erkennt. 312 Vgl. allgem. dazu Geck, Fürstentum, S.29 213 Vgl. das Gutachten der Saarbrücker Regierung und des Saarbrücker Forstamts an die Usinger Fürstin über die strittigen Waldgerechtsame der beiden Städte Saarbrücken und St.Johann (Entwurf), Saar¬ brücken 2.September 1733: LA SB 22/2866, fol.54-63 (zit.55v.); vgl. allgem. zum Problem dynasti¬ scher Teilung als Hindernis des Territorialisierungsprozesses Press, Kommunalismus, S.l 18. 214 Vgl. das chronologische Verzeichnis bei Sittel, Sammlung, S,93-95, wo die erste Waldordnung vom 1 .Januar 1603 aufgefuhrt ist; vgl. auch die beiden Konzepte einer Waldordnung aus den 1590er Jahren von Graf Philipp III., die offenbar nicht veröffentlicht wurden, in: LA SB 22/2308, S.l-14 u. S.15-26; in dem zweiten undatierten Konzept heißt es noch, daß bis dahero keine bestendige Waldtordnung von unß schriftlich außgangen noch durch unßern Oberambtsmann und Rathen machen lassen (LA SB 22/2308,8.15). 215 Vgl. das Gutachten der Saarbrücker Regierung und des Saarbrücker Forstamts an die Usinger Fürstin über die strittigen Waldgerechtsame der beiden Städte Saarbrücken und St.Johann (Entwurf), Saar¬ brücken 2.September 1733: LA SB 22/2866, fol.54-63, zit.59r.; vgl. auch das Schreiben der Saar¬ brücker Regierung an die Vormünderin, Saarbrücken 23.Juni 1733: ebd., fol.48, wo es ebenfalls heißt, daß Graf Ludwig das erste Forstamt errichtete; damit ist eindeutig belegt, daß bereits mit dem Regie¬ rungsantritt Ludwigs im Jahre 1602 ein Forstamt gegründet wurde, und die in der Landesgeschichte 78