dungsprozeß zwischen Herrschaft und Beherrschten zum Ausdruck, der für die links¬ rheinischen Landesteile allein schon durch die Konstellation der nassau-usingischen Vormundschaft gegeben war. Die Fürstin förderte aber auch ganz bewußt diesen eher zufälligen Rationalisierungsprozeß, indem sie den nassau-saarbrückischen Unterta¬ nen vorschrieb, ihre Anliegen künftig nicht mehr wie bisher üblich mündlich vor¬ zutragen, sondern durch einen ausgebildeten Advokaten schriftlich einreichen zu lassen, dem dafür noch eine Gebühr zu entrichten war141. Diese Maßnahme kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Sie führte zu einer Verrechtlichung des Verhältnisses von Obrigkeit und Untertanen und verwies damit zugleich auf das Hauptkennzeichen des Reformabsolutismus: die an zweckrationalen Prinzipien orien¬ tierte Verrechtlichungspolitik142. Auch auf dem Gebiet der unteren Gerichtsbarkeit machte sich die fiir die absolutisti¬ sche Staatsform typische Tendenz zur Zentralisation bemerkbar; so suchte man beispielsweise, "die Rügentage in allen Landesteilen einheitlich zu gestalten"143. Für den nassau-saarbrückischen Teil erließ Fürstin Charlotte Amalie bereits Anfang 1731 eine Verordnung, die auf "die Einschränkung der städtischen Gerichtsbarkeit in Saarbrücken" hinauslief144; und dies obwohl der Jugenheimer Amtmann und Usinger Kammerrat Schmoll für die Wiederaufwertung des während der französischen Reunionszeit seiner Selbständigkeit beraubten gemeinsamen Stadtgerichts plädier¬ te145. Das allgemein zu beobachtende Bestreben der Usinger Herrschaft, "ein mög- 141 Beide Punkte, die Hinauszögerung der Justiz durch die Zwischeninstanz der Ämter bzw. Saarbrücker Regierung und die Untertanenadvokaten, stellen später Gegenstände des Protests der nassau-saar¬ brückischen Untertanen dar; vgl. hierzu die Petition des Köllertaler Hofs u. der Helmstätter Meierei vom 13.April 1730: LA SB 22/2309, S.81-104 (Punkt 3 u.25). Daß die Untertanenadvokaten wirklich eine 'Neuerung' darstellen, ergibt sich aus dem Gutachten der Saarbrücker Regierung zu den Köl¬ lertaler Beschwerden, undatierte Anlage zum Bericht der Saarbrücker Regierung, Saarbrücken 2.Juni 1730: LA SB 22/3434, fol.löf. 142 Vgl. allgem. dazu Maier, Staats- und Verwaltungslehre, S.50; Demel, Reformstaat, S.10. 143 Geck, Fürstentum, S.45. 144 Vgl. hierzu die differenzierte Sicht von Ennen, Organisation, S.102-105 (zit. S.102), die die Ein¬ schränkung der städtischen Gerichtsbarkeit nicht als einen unilinearen Prozeß absolutistischer Politik darstellt, sondern auch auf die Beteiligung der Bürger selbst an diesem Prozeß verweist; ihrem Urteil, daß die Stadtgerichte "der Schmälerung ihrer Befugnisse im allgemeinen gleichgültig" zugesehen haben (ebd., S. 103), ist jedoch allein schon angesichts des städtischen Forstkonflikts von 1728 bis 1738 nicht zuzustimmen (dazu unten im Text). Vgl. dagegen das völlig falsche Urteil van Harns, Gerichsbarkeit, S.140, der davon ausgeht, daß Fürstin Charlotte Amalie das gemeinsame Stadtgericht "wieder zu heben" beabsichtigte, was am Widerspruch St.Johanns wegen der Kostenfrage gescheitert sei; der von v.Ham geschilderte Widerspruch St.Johanns stammt nicht aus den 1730er Jahren, sondern von 1768/69; vgl. dazu korrekt Jung, Ackerbau, S. 137f. Rumschöttel, dessen Thema "Verwaltungs¬ organisation und Gerichtsverfassung" ist, behandelt die städtische Gerichtsbarkeit während der vormundschaftlichen Regierungszeit überhaupt nicht (S.130-140). 145 Vgl. den Schmoll-Bencht, Jugenheim 4.Mai 1731: LA SB 22/2461, fol.löf.; zur Beseitigung des selbständigen Charakters des gemeinsamen Stadtgerichts von Saarbrücken und St.Johann während der sog. Reunionszeit vgl. Ham, Gerichtsbarkeit, S.90f.; Rumschöttel, Verwaltungsorganisation, S. 105- 66