In die unmittelbaren Zusammenhänge der Ereignisse und Folgen der Horburger Fehde ist offensichtlich noch ein Diplom des Kaisers einzuordnen, welches dieser 1163 für Abt Hugo von Salival ausstellte695, das auch die Grundzüge der Territorialpolitik Friedrichs I. erkennen läßt. Friedrich I. nimmt den Abt und das Kloster Salival mit allen Besitzungen des Klosters in seinen Schutz. Die Vermutung, dieses Diplom sei vom Kaiser im Hochgefühl des Sieges über Mailand ausgestellt worden696, greift meines Erachtens zu kurz und läßt die konkrete politische Situaüon außer acht. Das Diplom stellt vielmehr einen Reflex seines Erfolges gegenüber Hugo VIII. von Dagsburg dar, da er augenscheinlich auf die Niederwerfung des Dagsburger Grafen, der bekanntlich die Schutzvogtei über Salival beanspruchte und auch dementsprechend urkundet697, in der Promulgatio dieses Diplomes Bezug nimmt: Eapropter omnium tarn futurorum quam presentium Christi imperiique nostri fidelium noverit industria, qualiter nos intuitu illius, qui rebelles subiecit nobis et hostes sub pedibus nostris omniumque ecclesiarum deffensores nos constituilß98. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine bloße rhetorische Hervorhebung der Friedrich von Gott gegebenen kaiserlichen und königlichen Macht, sondern der Kaiser drückt meines Erachtens auch noch konkrete politische Ziele aus, die er verfolgt. Friedrich reklamiert ja mit diesen Worten nichts anderes als die Schutzvogtei über die Prämonstratenserabtei Salival, die der Graf von Dagsburg zu dieser Zeit ausgeübt hat. Hugo VIII. sei als 'Rebell' berechtigterweise, sozusagen auf Gottes Wunsch, vom Kaiser niedergeworfen worden und könne also mit guten Gründen in seiner Schutzfunküon gegenüber dem Kloster abgelöst werden. Daß Friedrich sich letztendlich mit diesem Vorstoß nicht durchsetzen konnte, zeigt eine Urkunde Hugos VIII. von Dagsburg aus dem Jahre 1177, in der der Graf als Schutzvogt für Salival amtiert699. Ganz ähnliche Bestrebungen stellte der Kaiser hinsichtlich der beiden Vogteien in Colmar an, die ja ebenfalls in der Hand des Dagsburger Grafen waren. Auch hier gibt es - wie oben bereits dargelegt - Hinweise, daß Barbarossa versucht hat, über die Colmarer Vogteien die Kontrolle über den für ihn so wichtigen Ort zu bekommen700. Auch diese Bestrebungen waren kurzfristig nicht von Erfolg gekrönt, erst langfristig unter seinem Enkel Friedrich II. konnten die Staufer die beiden Colmarer Vogteien in ihrer Hand vereinigen701. Die beiden Colmarer Vogteien verblieben zunächst bei den Dagsburger Grafen, denn 1167 amtiert Hugo VIII. noch als Vogt der beiden Höfe in Colmar. In einer Urkunde über die Teilung des Rotlaubwaldes zwischen dem Konstanzer Niederhof und dem Peterlinger Oberhof wird über die Teilung cum Kommunikation in Frieden und Fehde, Darmstadt 1997, der S. 28 u. S. 239 Beispiele für solche symbolische Schleifungen anfuhrt. 695 D F I 401, S. 278 f. 696 D F I 401, S. 279: Vorbemerkung zu dem Diplom. 697 Zur Schutzvogtei der Dagsburger Uber die Abtei Salival siehe im Anhang, Urkunden Nr. 4 u. 5, sowie unten im Kap. 'Vogteien' den Art. 'Salival'. 698 D FI 401, S. 279. 699 Siehe im Anhang, Urkunde Nr. 4. Vgl. ebenfalls Urkunde 5, die jedoch undatiert ist. 700 Siehe oben, S. 264 f. 701 Zu den Colmarer Vogteien siehe unten im Kap. 'Vogteien' d. Art 'Colmar'. 270