Nachricht haben wir indes noch von einem Ereignis, der sogenannten Molsheimer Fehde, die 1122, ein Jahr vor Hugos VII. Tod, stattfand. In diese Fehde, die sich wohl an strittigen Besitzrechten entzündete, waren auf der einen Seite der Dagsburger Graf und andere siidwestdeutsche Magnaten und auf der anderen Seite die Bürger des unterelsässisehen Ortes Molsheim verwickelt. Die Molsheimer Fehde Gegen Ende des Jahres 1122 waren Flugo VII. von Dagsburg und der mit ihm verbündete Herzog Berthold III. von Zähringen in eine Fehde mit den Bürgern von Molsheim geraten461, in deren Verlauf am 3. Dezember der Zähringerherzog von den Molsheimer Bürgern getötet wurde462. Möglicherweise war auch der Straßburger Bischof Cuno in die Auseinandersetzung involviert463. Worum es in diesem Konflikt ging, verschweigen uns leider die Quellen464. Wir können nur Vermutungen anstellen. In Molsheim kamt man im späten neunten und im zehnten Jahrhundert bischöflich-straßburgischen Besitz nachweisen465. Außerdem machte seine geographische Lage den Ort sowohl in wirtschaftspolitischer als auch in 461 Siehe Ausgewählte Quellen zur Zähringergeschichte, zusammengest. v. N. Gädeke, in: Die Zähringer. Anstoß und Wirkung, hrsg. v. H. ScHADEKund K. Schmid, Sigmaringen 1986, Nr. 17 b, S. 463 ff., Zitat, S. 464: ... Berchtoldus prior natu, cum in ducatum successisset, civilatem Friburg condidil anno dominice incarnationis MCXVlll, et postea cum comite Hugone de Tagsburg vicum quemdam Alsacie Molnsheim dictum descendens violenter hospitalus est ab irruentibus ciuibus, sociis suis dissipatis, indigtia morte peremptus est anno quarlo, postquam ciuilatem iam dictam condiderat, et sepullus est in capitulo nostro ante sedem abbatis anno ab incarnatione Domini MCXXIT, älterer Druck: Genealogia Zaringorum, ed. G. Waitz, MGH SS XIII, S. 736. Vgl. auch J. Sattler, Chronik der Stadt Freiburg im Breisgau, unv. Ndr. d. 1698 v. J. Schilter hrsg. Ausg., Freiburg i. Br. 1979, S. 16 f. 462 Zum Todesjahr von Herzog Berthold III. siehe Notitiae fundationis et traditionum S. Georgii in Nigra silva, ed. O. Holder-Egger, MGH SS XV,2, cap. 47, S. 1014. Zur Ermittlung des genauen Todesdatums von Berthold III. siehe S. Molitor, Das Todesdatum Herzog Bertolds III. von Zähringen im Reichenbacher Seelbuch in Kopenhagen, in: Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung, hrsg. v. K Schmid, Sigmaringen 1986, S. 38 f. Unter dem 3. Dezember ist im Reichenbacher Seelbuch Herzog Berthold eingetragen (ebda.), der von Molitor mit Berthold III identifiziert werden konnte (ebda ). Der letzte sichere Nachweis Bertholds datiert vom 23. September 1122. Er unterzeichnet als einer der Zeugen im Wormser Konkordat, abgedruckt in: MGH Const. I, Nr. 107, S. 159 f. 463 Zu Cuno siehe RegBfeStr. I, Nm. 369-411,426 u. 427. Neuerdings ausführlich zu Cuno Seiler, Territorialpolitik, S. 145-150 u. 156-160. Cuno war der Nachfolger Balduins, der nach dem Tode Ottos von Staufen gewählt worden war, aber schon ein paar Wochen nach seiner Wahl starb (RegBfeStr. I, Nr. 368). 464 Als Quellen, die uns von der Molsheimer Fehde berichten, seien neben der in Anm 461 zitierten, als weitere genannt: Annalista Saxo, MGH SS VI, S. 759; Chronica regia Coloniensis, S. 61; Annales Marbacenses, S. 41; Annales Maurimonasterienses, in: Annales Marbacenses, S. 105 (auch in MGH SS XVII, ed. Ph. JaffD, S. 181). 463 Siehe RegBfeStr. I, Nr. 68, S. 231, Nr. 129, S. 244, Nr. 130, S. 244 f., Nr. 186, S. 254; zu den frühen bischöflichen Besitzungen im Breuschtal vgl. auch J. Fritz, Territorium, S. 31-37. 232