In einem Fall jedoch kann man den eberhardinisehen Familienverband in Verbin¬ dung zu Heinrich I. bringen, nämlich durch ein Quellenzeugnis, das in seiner Be¬ deutung nicht unterschätzt werden sollte. Es handelt sich um den schon oben be¬ handelten Gedenkbucheintrag im Liber memorialis von Remiremont", der auf das Jahr 923 datierbar ist99 100 und in dem eberhardinische Familienmitglieder zusammen mit König Heinrich I., dem Westfrankenkönig Robert und König Rudolf von Hochburgund eingetragen sind101. Das Königs treffen, das man in Zusammen¬ hang mit dem Abrücken Heinrichs I. von Karl dem Einfältigen bringen muß102, zeigt, daß diese Politik von den Eberhardinem in ihrer entscheidenden Phase mitgetragen wurde, möglicherweise haben sie auch schon aktiv - zusammen mit der westfränkisehen Opposition gegen den Karolinger Karl - die Wende in der Politik Heinrichs miteingeleitet. Ebenso dürften in der Frage der Besetzung des Straßburger Bischofsstuhles die Reibungspunkte, die sich während der Amtszeit von König Konrad I. durch die Erhebung des mit Hugo I. verwandten Richwin zum Straßburger Bischof mit den Familienmitgliedern der Eberhardiner ergeben hatten, durch Heinrich I. abgebaut worden sein, denn Heinrich I. hat schließlich vielleicht noch gegen Ende des Jahres 918, sicher jedoch 919, Richwin als Straßburger Bischof anerkannt103. Im Gegenzug hat Richwin sich seinerseits mit dem neuen König arrangiert. So ist er im Jahre 922 bei einer von Heinrich I. und Karl dem Einfältigen gemeinsam einberufenen Synode - die beiden Könige waren seit dem Bonner Vertrag von 921 durch amicitia verbunden104 - in Koblenz anwesend105. Auch als Heinrich ab 923 in seiner Politik von Karl dem Einfältigen abrückte, Karl zudem noch durch seine Gefangennahme durch den Grafen Heribert von Vermandois vollends machtlos wurde, und als Heinrich I. schließlich, die Spannungen und Kämpfe im Westfrankenreich ausnutzend, Lotharingien im Jahre 925 endgültig seinem 99 Siehe dazu oben, S. 137-141. 100 Siehe dazu den paläographischen Kommentar im Liber memorialis von Remiremont, Transkriptionsband, S. 167; Büttner, Heinrichs I. Sudwest- und Westpolitik, S. 27 f.; Tellenbach, Der Liber Memorialis von Remiremont, S. 99. 101 Liber memorialis von Remiremont, fol. 6v, Transkriptionsband, S. 9. Zum Eintrag siehe oben, S. 137-141. 102 Zur Politik Heinrichs I. im Jahre 923 vgl. Büttner, Heinrichs 1. Südwest- und Westpolitik, S. 26 f.; K. Schmid, Unerforschte Quellen, S. 136-143; Althoff, Amicitiae, S. 364 u. 374. 103 Siehe RegBfeStr. I, Nr. 123, S. 243. Dort wird auf Grund einer Notiz Erchanbalds, daß Richwin seine Amtsjahre ab 918 zählte (ebda., Nr. 121, S. 243), für eine Anerkennung Richwins im Jahre 918 plädiert. So auch bei BÜTTNER, Geschichte des Elsaß I, S. 152, der anführt, daß Richwin seine Amtsjahre von 918, dem Antritt Heinrichs I. als König, rechnete. Allerdings war Konrads I. Tod erst am 23. Dezember 918 erfolgt, der Wahl Heinrichs 1. gingen Verhandlungen von der Dauer einiger Monate voraus (siehe Hlawitschka, Frankenreich, S. 103), ehe Heinrich im Mai 919 zum König gewählt wurde (Böhmer-Ottenthal, Nr. p, S 3 ff.), so daß meines Erachtens als Jahr der Anerkennung Richwins erst 919 in Frage kommt. 104 MGH Const. 1, Nr. 1, S. 1 f. 105 RegBfeStr. I, Nr. 124, S. 244. 175