eingegangen werden kann, waren in vollem Gange2, als uns mit Eberhard der erste Vertreter aus der, von der Forschung auch nach ihm titulierten, ursprünglich aus dem Elsaß stammenden3 und dort auch begüterten4 Familie der 'Eberhardiner' begegnet. Sie waren Nachkommen der alten, in der Zeit der Merowinger politisch aktiven Etichonendynastie5. Allerdings ist die Quelle, die über das früheste Auftreten Eberhards berichtet, die Vita S. Deicoli, keine zeitgenössische, denn ihre Entstehungszeit kann man erst nach der Mitte des 10. Jahrhunderts ansetzen6. Zudem verstellt die hagiographische Grundintention der Vita den Blick auf die circa 80 bis 90 Jahre zurückliegenden historischen Geschehnisse. Trotzdem kommt ihr gerade in genealogischen Fragen - wie oben bereits erörtert - Glaubwürdigkeit zu, und wir können Rückschlüsse auf politische Handlungen der in der Vita genannten Personen ziehen7 8. Eberhard w ar mit Lothar II. - dem König des regnum Lotharii^ - und wohl auch mit dessen Friedelfrau Waldrada blutsverwandt9. Die politisch hochbrisanten Geschehnisse um Lothar II. im Zusammenhang mit dessen Versuchen, sich von seiner - ihm in Muntehe angetrauten - Frau Theutberga zu trennen, da aus dieser Ehe keine Nachkommen hervorgegangen waren, und die Ehe mit seiner Friedelfrau Waldrada - und somit auch die Kinder aus dieser Verbindung - kirchlich zu legitimieren, sind hinlänglich bekannt und von der Forschung eingehend dargestellt und diskutiert worden10 11. Inwieweit Eberhard I. in das Politikum, das die Eheproblemaük um Lothar II. und Waldrada darstellte, involviert war, läßt sich nicht erkennen. Es ist, da wir keine Aussagen über den Geburts¬ zeitpunkt Eberhards treffen können, überhaupt fraglich, ob er in den sechziger Jahren des 9. Jahrhunderts, als diese Probleme von großer Aktualität waren, schon in das politische Geschehen eingreifen konnte. Es dürfte eher wahrscheinlich sein, daß er erst nach dem Tod Lothars II. im Jahre 869 politisch aktiv wurde, wenn man den für Eberhard I. angenommenen Geburtstermin, für den der Zeitraum um das Jahr 850 gelten kann1 l, berücksichtigt und zusätzlich noch den Lhnstand mit in die 2 Es sei hier auf die, die wichtigsten Ereignisse im Zeitraum von 840 bis 899 zusammenfassende Darstellung von E. Hlawitschka, Vom Frankenreich zur Formierung der europäischen Staaten- und Völkergemeinschaft 840-1046. Ein Studien¬ buch zur Zeit der späten Karolinger, der Ottonen und der frühen Salier in der Geschichte Mitteleuropas, Darmstadt 1986, S. 75-92, verwiesen. 3 Ex Vita S. Deicoli, MGH SS XV,2, S. 677: ... comes quidam bellipotens de Alsaciae partibus nomine Heberardus. 4 Siehe dazu im Kap. 'Besitzungen' z. B. die Art. zu 'Colmar', 'Hohenburg' und 'Illkirch', welche sehr wahrscheinlich alle ursprünglich Etichonenbesitz waren. 5 Siehe dazu die Ausführungen im genealogischen Teil der Arbeit, oben S. 5-10. 6 Siehe dazu Thomas, Theoderich von Trier, S. 42-63, bes. S. 49-58. 7 Siehe oben, S. 12 f. mit den Anm. 54 u. 55. 8 Der Begriff findet sich bei Reginonis abbatis Prumiensis chronicon, ad 888, S. 130 u. passim; siehe dazu Hlawitschka, Lotharingien, S. 16 f.; vgl. Mohr, Lothringen, 1. Bd., S. 7-11; vgl. U. Nonn, Pagus und Comitatus in Niederlothringen. Untersuchungen zur politischen Raumgliederung im früheren Mittelalter, Bonn 1983, S. 52 ff. 9 Siehe die genealogischen Erörterungen zu diesem Punkt oben, S. 10 f. 10 Siehe dazu den Literaturüberblick bei K Schmid, Königseintrag, S. 113, Anm. 95. 11 Siehe oben, S. 17. 160