einer Urkunde Gottfrieds III. für die Abtei Villers-en-Brabant555 und schließlich noch im Jahr 1162 für das Jerusalemer Hospital der Coudenberger Kirche Saint- Jacques556. Luitgart ging kurze Zeit nach dem Tod ihres ersten Gemahls eine für unseren Zusammenhang entscheidende zweite Ehe ein, nämlich mit Graf Hugo VIII. von Dagsburg. Der genaue Zeitpunkt dieser zweiten Eheschließung Luitgarts mit Graf Hugo VIII. läßt sich zwar nicht ermitteln, man kann aber eine weitgehende Eingrenzung vornehmen. Auf Grund des Titels, mit dem Luitgard in den Urkunden bezeichnet wird, können keine Rückschlüsse auf den Zeitpunkt ihrer zweiten Eheschließung gezogen werden, denn sie führte auch nach der Eheschließung ihren ducissa-Titel ohne einen Zusatz, daß sie auch Gräfin von Dagsburg sei, weiter557. Als Terminus post quem gilt natürlich das Jahr 1142558, also der Zeitpunkt des Todes ihres ersten Ehemannes. Daß vor einer Wiederverheiratung nach dem Tod des ersten Ehemannes immer eine längere Frist zu verstreichen hatte, etwa in Form eines Trauerjahres, ist nicht zwingend, wie selbst das gut dokumentierte Beispiel ihrer Enkelin Gertrud verdeutlicht, die noch im Todesjahr ihres ersten Gemahls, Herzog Theobald I. von Oberlothringen, den Grafen von der Champagne heiratete559 560. Eine längere Wartefrist wäre ja auch in vielen Fällen politisch gar nicht opportun gewesen. Man mußte schnell handeln, wollte man territorialpolitische Vorteile erringen. Den Terminus ante quem der Eheschließung Hugos VIII. und Luitgards zu bestimmen, gestaltet sich etwas schwieriger. Zum ersten Mal wird die Ehefrau Hugos VIII. in einer von ihm im Jahre 1146 ausgestellten Urkunde für das Kloster Neufmoustier erwähnt. Dort heißt es: Pro his igitur collatis a me beneficiis ab ecclesia prenominata orationes fratrum et sororum suffragia michi et uxori mee, liberis et familie et predecessoribus et successoribus meis suscepi56°. Im Jahr 1146 555 Urkunde Gottfrieds III. aus dem Jahr 1143, abgedruckt in: P. E. de Moreau, Chartes du XIIme siècle de l'abbaye de Villers-en-Brabant, Louvain 1905, Nr. 8, S. 18: ... matre rnea Lutgarde petente.... 556 Druck der Urkunde bei A. Wauters, Don fait à l'ordre de Saint-Jean de Jérusalem de l'église de Saint-Jacques-sur-Caudenberg et pèlerinage du duc de Brabant Godefroid III en Palestine, in: Revue d'histoire et d'archéologie, 1. Bd., Bruxelles 1859, S. 481 f.: Dedi itaque una cutn matre mea Lutgarde ducissa ... (Zitat S. 481); Regest bei Durs., Table chronologique II, S. 439. 557 So war sie z. B. im Jahr 1162, also zum Zeitpunkt der Ausstellung der Urkunde für das Jerusalemer Hospital der Coudenberger Kirche Saint-Jacques (siehe Anm. 556), schon mit Hugo VIII. verheiratet, führte aber nur ihren i/wcBTa-Titel. Luitgart nennt sich in den Urkunden ihres zweiten Mannes ducissa Lovaniae (siehe im Anhang, Urkunde Nr. 1 u. unten, Anm. 564). Zur Titulatur des niederlothringischen Herzogs nach der Grafschaft Löwen sowie zu den verschiedenen Formen des Herzogstitels in Niederlothringen siehe W. Kienast, Der Herzogstitel in Frankreich und Deutschland (9, bis 12. Jahrhundert), München-Wien 1968, S. 388-408. 558 So auch Parisse, Albert, comte de Dabo, S. 162, der lediglich angibt, daß die Hochzeit nach 1142 stattfand. 559 Siehe dazu unten, das Kap. 'Die Ehe Gertruds mit Graf Theobald IV. von der Cham¬ pagne'. 560 Druck der Urkunde bei deMarneffe, Recherches, Nr. 5, S. 262 f, Zitat, S. 262. 99