Ein weiteres Zeugnis für das Auftreten Eberhards I. im Schweizer Raum ist nach Borgolte61 in einer am 27. Juni des Jahres 889 ausgestellten Urkunde zu finden, in der ein gewisser Perchtelo einige Güter in dem Ort Wiedikon der Abtei St. Felix und Regula in Zürich übergibt. Eberhard wird dabei als Laienabt des Zürcher Klosters bezeichnet62. Eine Bestätigung dieser Vermutung Borgoltes ergibt sich aus einer - meines Wissens in diesem speziellen Zusammenhang bisher noch nicht beachteten - Urkunde vom 16. August des Jahres 931, die ebenfalls für St. Felix und Regula ausgestellt wurde, in der die Eheleute Ratpreht und Truhlinde der Abtei einen ihnen gehörenden Hof in Hasli tradierten. In der Zeugenreihe erscheint interessanterweise nach der Nennung des Vogtes Gerhard ein Graf Hugo. Er wird als einzige Person in dieser Urkunde mit einem Grafentitel belegt63. Nim wissen wir aus der Vita S. Deicoli von einem Sohn Eberhards I. namens Hugo, der schließlich die Nachfolge seines Vaters als Graf angetreten hat, so daß wir in dem in der von Ratpert und Truhlinde ausgestellten Urkunde genannten Grafen Hugo den Sohn Eberhards I. erblicken dürfen, der wohl ebenso wie in den übrigen Besitzungen auch für St. Felix und Regula Nachfolger seines Vaters als Laienabt geworden ist. Auch in chronologischer Hinsicht fügt sich diese Einordnung Hugos gut in das Bild ein. Denn der Sohn Eberhards I. dürfte im zweiten Viertel des 10. Jahrhunderts verstorben sein64. In einem Diplom Arnulfs von Kärnten vom 26. Mai 888 wird ein Graf Eberhard von der Ortenau genannt65 66. Er erfährt dort die Bezeichnung fidelis comes noster nomine Ebarharfö. In der Forschung identifiziert man ihn gemeinhin mit Eberhard I., dem Stammvater der Familie der Eberhardiner67. Das Jahr 888 würde sich 61 Ebda, S. 39. 62 Druck: J. Escher u. P. Schweizer, Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich I, Zürich 1888, Nr. 153, S. 66: ... ego Perchtelo una cum manu advocati mei nomine Sindene pro remedio animq mef seu pro fterna retributione trado ad monasterium, quod constructum est in Turego in honore sanctorum martyrum Felicis et Regulf, ubi moniales deo famulantur et modo Eberhart comes cum advocatu [sic!] suo Adalberto preesse videntur. 63 Druck: ebda., Nr. 194, S. 86 Г: Signum Kerhardi advocati, Huc comitis, Hiltirath, Uutprant, Adilpern, Landolt, Amilrih, Tietpreht, idem Landolt, Otker, Ebirhart, Sigiram, Razzo, Rihpreht, Liutpreht, Hunolt, Ozzilin, Engilbold(Zitat, ebda, S. 87). 64 Siehe dazu unten, S. 20 f. 65 D Am. 24, S. 35 f.: ... inpagoMortunouua vocato in comitatu Ebarhardi... (Zitat, ebda., S. 35). Weiterer Druck der Urkunde bei W. Wiegand, Urkundenbuch der Stadt Straßburg I, Straßburg 1879, Nr. 33, S. 28. 66 Ebda 67 So bei Vollmer, Etichonen, S. 177 f., ebenso mit guten Argumenten M. Borgolte, Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie, Sigmaringen 1986, S. 98 f., ferner G. Althoff, Amicitiae und Pacta. Bündnis, Einung, Politik und Gebetsgedenken im beginnenden 10. Jahrhundert, Hannover 1992, S. 225. Es sei darauf hingewiesen, daß man diesen Ortenaugrafen gelegentlich als Konradiner ansieht, so z. B. neuerdings D. C. Jackman, The Konradiner A Study in Genealogical Methodology, Frankfurt а. M. 1990, S. 19, 119, 226, 231 u. öfter, vgl. jedoch E. Hlawitschka, Der Thronwechsel des Jahres 1002 und die Konradiner. Eine Auseinan¬ dersetzung mit zwei Arbeiten von Armin Wolf und Donald C. Jackman, in: ZRG GA 110, 1993, S. 209 f. mit Anm. 201. 14