Neufang, entsprechende Positionen. Es fehlen aber bis jetzt genauere Untersuchun¬ gen,50 die eine solche Generalisierung auch für das Saarland erlauben. Ebenfalls ungünstig für die Stärkung der SPS innerhalb der Einheitsgewerkschaft wie auch für die Führung der Gewerkschaft wirkte sich die fehlende Popularität ihres Präsidenten Heinrich Wacker aus, der sich nach Einschätzung der Militärregierung als unfähig erwies, die Massen zu bewegen.51 Der gebürtige Badener, der erst nach Hitlers Machtergreifung an die Saar geflüchtet war und nach der Rückgliederung 1935 emi¬ grierte, fand auch von seiner Sprache her nicht den Draht zu den saarländischen Arbeit¬ nehmern, denn er beherrschte den saarländischen Dialekt nicht.52 Obwohl die Zahl der Kommunisten in der Gewerkschaft nicht sehr hoch war, gelang es ihnen, mit Disziplin und hoher Motivation Einfluß zu gewinnen. Auch Oskar Müllers Wahl zum Vorsitzenden des I.V. Bergbau war nach Einschätzung Grandvals auf diese Fähigkeiten zurückzuführen.53 Das Gebäude der Einheitsgewerkschaft wurde durch das Übergewicht kommunistischer Agitation von Anfang an belastet. Bereits im Herbst 1946 versuchte die französische Militärregierung an der Saar den nationalistischen und antifranzösischen Kräften aus der KP, die auch in den Gewerkschaften aktiv waren, durch Ausweisung Einhalt zu gebieten.54 Gilbert Grandval verfolgte mit Sorge die Politisierung der Einheitsgewerkschaft durch die Kommunisten. Der Chef des I.V. Bergbau Oskar Müller soll zudem auch im Umgang mit Vertretern der Militärregierung ein recht rauher Typ gewesen sein. Gegenüber Grandval und dem für Sozialpolitik und Gewerkschaften zuständigen Beamten Alphonse Rieth machte er aus seinem Unifor¬ menhaß keinen Hehl und soll gegenüber den beiden ehemaligen Resistancekämpfem gesagt haben, daß das Braun ihrer Uniform ihn an das Braun der SA erinnere.55 50 Heinrich Detjen (stellenweise Detgen geschrieben) war in der Saarbrücker Kommunalverwaltung, und Robert Neufang bekleidete in der Verwaltungskommission das Amt des Leiters der Abteilung Ernährung und Landwirtschaft. 51 MAE, Archives de l'occupation française en Allemagne et en Autriche (AdO) Colmar, Commissariat pour le Land Rhénanie-Palatinat. Fonds reçus du Consulat de France à Mayence (CLRP/FRCM), Cart.76, Bulletin Quotidien vom 6.8.47. 52 Interview mit Paul und Walburga Schmidt am 24.5.1994 und Arno Spengler am 26.4.1994. 53 Privatarchiv Grandval (PGA), Doss.8, Vermerk vom 19.3.47, Nr. 577/7 an Sécret. Gén. du Comm. gén. aux Aff. allem, et autriechiennes. MAE, AdO Colmar, CLRP/FRCM, Cart.76, E. Laffon an G. Grandval vom 20.9.46. Zu den Ausgewiesenen gehörten: Arbo Müller, Hermann Müller, Josef Schlesinger, Roman Rubinstein, Bruno Peterson und Eva Poelke. Interview mit Arno Spengler am 26.4.94. 295