gesorgt werden, daß die Delegierten über die geographische, wirtschaftliche und besonders die soziale Lage des Saarlandes orientiert werden. Sie müssen insbesondere die Delegierten der anderen Länder über den hohen Stand der sozialpolitischen Ent¬ wicklung an der Saar durch Statistiken, Schaubilder usw. plastisch informieren".52 Fest steht, daß Arbeitslosigkeit im Gegensatz zur Bundesrepublik kein Problem im Saarland war. In dem Bemühen, die sozialpolitischen Erfolge herauszustellen, wurde mit vielen Zahlen und Statistiken jongliert, aber genau darin liegt für den Historiker heute das Problem, denn es ist nicht immer ersichtlich, auf welchen Grundlagen die Angaben beruhen. Ein zur Interpretation von Sozialstatistiken wichtiger Aspekt ist die Frage, ob bei den Pro-Kopf-Berechnungen für Sozialleistungen die Leistungen für Kriegsopferversorgung und Wiedergutmachung mitgerechnet werden. Darüber hinaus kann die bloße Angabe von Prozentsätzen ein völlig verzerrtes Bild zeichnen, wenn die Höhe des Bruttosozialproduktes unberücksichtigt bleibt. Um das Leistungsniveau der saarländischen Sozialpolitik genauer bewerten zu können, soll an vier Bereichen, den Feiertagen, dem Familienlastenausgleich und der Kriegs¬ opferversorgung sowie der Wiedergutmachung genauer untersucht werden, ob das Saarland der Bundesrepublik im Bereich sozialpolitischer Leistungen wirklich voraus war. Dabei wird letztlich auch die Frage zu beantworten sein, ob die Sondersituation des Saarlandes den Menschen in der Tat einen höheren sozialen Standard beschert hat und ob das Wort vom "sozialen Besitzstand" einer kritischen Prüfung standhält. Diese Untersuchung will nicht Zahlen gegen Zahlen stellen, sondern die Struktur der sozialen Leistungen in ihrem politischen Kontext vergleichend analysieren. 52 Ebd,, Bd.30, Handakte Martin, ohne Datum und Verfasserangabe. 173