Überblickt man alle Belege, die mit herzoglichen Ansprüchen auf die Vogtei über Weiler-Bettnach in Verbindung gebracht werden können, so zeigt sich bei der zeit¬ lichen Einordnung, daß Herzog Matthias 11. (1220-51) den Grundstein dazu legte. Der endgültige Durchbruch gelang Friedrich III. (1251-1303) mit einer Politik, die über den Güterbesitz den Einfluß auf das Kloster selbst ausweitete. Dies deckt sich exakt mit der in der Forschung herausgestellten generellen Umsetzung der Vogtei im 13. Jh. Donecker hat sie für diese Zeit "in die Nähe von allgemeiner souveräner Landesherrschaft" gerückt81. Didier sprach sogar von einem Schutzmonopol des "gardien"82. Zum gleichen Ergebnis kam Timbal in seiner Studie zur "garde" über Morimond, das Mutterkloster von Weiler-Bettnach, im 14.Jh.83 Praktisch von Be¬ ginn an übte die Gründerfamilie von Choiseul die "garde" aus, anfangs sehr zu¬ rückhaltend, dann aber seit dem 13. Jh. mit zunehmendem Druck84. Ein Versuch, sich 1326 aus der Umklammerung zu lösen und sich direkt dem französischen Kö¬ nig zu unterstellen, der das Vogteilehen den Herren von Choiseul übertragen hatte, schlug fehl85. Erst 1362 gelang Morimond die Auslösung, aber nur aufgrund des Finanzbedarfs des Gui de Choiseul86. In einer solch glücklichen Lage war Weiler-Bettnach nicht. Wie sich die Vogtei der Herzöge in der Folgezeit auswirkte, läßt sich nur anhand einzelner Ereignisse an¬ deuten. Als während des "Vierherrenkrieges"87 1324 die Gegner in einem Gefecht aufeinanderprallten und viele Tote zurückblieben, mußten sich die Verbündeten nach einer Begräbnisstätte umsehen, da die Familiengrüfte in den Metzer Kirchen verschlossen blieben. Sie fanden sie im Kloster Weiler-Bettnach: "Les Seigneurs emmenèrent leurs morts à l'abbaye de Villers-Bettnach, où ils durent les déposer, puisque les sépultures de famille des abbayes de Metz leur étaient fermées; et le nombre des victimes était si grand, qu'une fosse ouverte au cloître, à droite de l'en¬ trée de l'église, reçut trois membres de la seule famille des Faulquenel, qu'on y déposa l'un sur l'autre."88 Die Textstelle zeigt, daß Weiler-Bettnach von den gegen Metz kriegführenden Herren - und hier kann nur der Herzog von Lothringen ma߬ gebend gewesen sein - als treu ergebenes Kloster angesehen wurde. Von der 1228 gewährten "garde" durch die Stadt Metz war nichts mehr übriggeblieben. Der Her¬ zog besaß, um mit Didier zu sprechen, ein Monopol. 81 DONECKER, S. 227. 82 DIDIER, S. 222: "Pour cette multitude de personnes et de biens que groupait une abbaye au XIIIe siècle, le gardien ne pouvait, en dehors de cas très précis, se voir préférer aucun autre personnage et jouissait d'un véritable monopole." 83 TIMBAL, S. 309-313. 84 Ebd., S. 309. 85 Ebd. 86 Ebd., S. 311. J>7 Dabei hatten sich der Herzog von Lothringen, die Grafen von Luxemburg und Bar sowie der Erz¬ bischof von Trier gegen die Stadt Metz verbündet. 88 DE BOUTEILLER, S.91. 111