Wenngleich sie nicht mehr in den Rahmen der mittelalterlichen Klostergeschichte gehören, müssen die Anstrengungen der Äbte von Weiier-Bettnach um die Rettung Wörschweilers fiir den Zisterzienserorden kurz angesprochen werden. Als im 16. Jh. die Reformation sukzessive im Herzogtum Zweibrücken Einzug hielt, geriet Wörschweiler unter zunehmenden Druck v.a. der Herzöge, die sich schon lange vorher die Vogteigewalt über das Kloster gesichert hatten. Trotz intensivster Be¬ mühungen gelang es dem Abt von Weiier-Bettnach nicht, die Auflösung seines Tochterklosters zu verhindern117. Mit der Verhaftung der beiden letzten Mönche und dem fast zeitgleichen Tod des Abtes Nikolaus von Thionville endete 1558 de facto die Geschichte der Zisterze Wörschweiler. In Weiier-Bettnach war man zu¬ nächst nicht bereit, die Aufhebung zu akzeptieren und setzte auch in der Folgezeit Äbte ein. Deren Aufgabe bestand aber primär darin, alte Wörschweiler Güteran¬ sprüche geltend zu machen118. Eine Neubesiedlung des Wörschweiler Klosterbergs war bei den veränderten religiösen Verhältnissen unrealistisch, was man bald auch in Weiier-Bettnach zur Kenntnis nehmen mußte. d) Pontiffroy Das vierte Tochterkloster Weiler-Bettnachs erweckt durch sein spätes Entstehungs¬ datum wie durch seine Lage bereits besondere Aufmerksamkeit. Auch Wörschwei¬ ler entsprach hinsichtlich der Örtlichkeit nicht den Ordensprinzipien, doch erklärt sich der Bau auf einer Anhöhe aus der ursprünglich benediktinischen Gründung. Entgegen dem alten zisterziensischen Grundsatz, wonach Klöster nur in menschen¬ leeren Gegenden errichtet werden dürfen119, entstand die Zisterze Pontiffroy im Stadtgebiet von Metz. Auf einem Grundstück des reichen Metzer Bürgers Jean Lo- wiat dotierte Poince, die Witwe des aus einer der einflußreichsten Familien stam¬ menden Colin de la Cour, zusammen mit ihrem Sohn Jean 1321 ein Zisterzien¬ serkloster120. Der päpstlichen Erlaubnis hierzu vom 1. April 1321 ist zu entneh¬ men, daß Poince zwei Jahre lang wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in 117 Zur Vorgeschichte der Auflösung vgl. NEUBAUER, S. 34-68, sowie diverse Regesten ebd.; ferner ADM H 1905 Nr. 3 (Einsetzung des Abtes von Wörschweiler 1697). 118 NEUBAUER, S. 54f. 119 CANIVEZ I, S. 13 (1134,1): In civitatibus, castellis, villis, nulla nostra construenda sunt coenobia, sed in locis a conversatione hominum semotis. 120 PHILIPPE DE VIGNEULLES: Chronique, Bd. I, S. 373 (erwähnt nur Jehan Louuiat); wörtliche Übernahme bei HUGUENIN: Chroniques, S. 38; CALMET: Histoire, Bd. II, Sp. 490 (Poince fälschlich als Ehefrau des Jean Lowiat angegeben); korrigiert von DEMS.: Notice, Bd. II, S. 83; SAUERLAND: Geschichte, Teil II, S. 96f,; DORVAUX, S. 301f. Ein glücklicher Zufall hat es ge¬ fügt, daß J.B. Kaiser einige der ehemals in der Stadtbibliothek Metz verwahrten Handschriften vor ihrer Vernichtung im Zweiten Weltkrieg eingesehen und die Passagen zur Gründungsgeschichte exzerpiert hat. Die wörtlich abgeschriebenen Sequenzen sind in seinem Nachlaß in den ADM (18 J 323) enthalten. Sie entstammen der "Chronique des Minimes" (Hs. 868/118), den "Miscellanea Metensia" des Binoit Picart (Hs. 824/74) sowie einer in Pontiffroy selbst angefertigten Abtsliste des Klosters (Hs. 811/60). Die beiden erstgenannten Werke verschweigen die Rolle der Familie de la Cour bei der Gründung, der von Kaiser abgeschriebene Teil des Äbteverzeichnisses geht auf die Entstehung des Klosters überhaupt nicht ein. 60