Das Jahr 925, dessen Bedeutung Michel Parisse mit Recht hervorgehoben hat,43 stellt auch bezüglich des Geldumlaufs und der wirtschaftlichen Orientierung des oberlotharingischen Raumes eine Zäsur dar. Vom 8. bis zum ersten Viertel des 10. Jahrhunderts verweisen die außerhalb des Raumes gefundenen Münzen aus den Prägeorten Marsal, Metz, Mouzon, Toul, Trier und Verdun auf intensive Wirtschaftskontakte nach Westen, Südwesten und zum Nordseeraum. Vom Oberrhein (Zabern), dem unteren Maasraum und dem Siedlungsraum der Friesen abgesehen fehlt jede Fundevidenz im späteren Reichsgebiet.44 Nach 925 ändern sich die Verhältnisse fast schlagartig: Die westliche Reichsgrenze wird für die oberlotharin¬ gischen Prägungen zur Währungsgrenze. Französische Gepräge, im 9. Jahrhundert noch reichlich in Lotharingien vertreten, verschwinden im 10. Jahrhundert fast vollständig; zwi¬ schen 925 und 1150 stehen mehr als 10.000 Fundmünzen aus den Prägestätten des Raumes nur neun Stück französischer Provenienz entgegen. Hintergründe und Technik dieses Abschottungsprozesses bedürfen wohl noch weiterer Untersuchungen; auch in Frankreich sind aus diesem Zeitraum höchstens 50 Münzen gefunden worden, die aus ostrheinischen Münzstätten stammten.45 Ein zweites wichtiges Ergebnis: Soweit es verläßliche und einigermaßen vollständige statisti¬ sche Auswertungen gibt, scheint in der sog. Fernhandelsdenarzeit - der Begriff wird von Petry mit Recht in Frage gestellt - es im Reich keine Großlandschaft gegeben zu haben, in der das Verhältnis von Fundmünzen in der Fernhandelsdenarzone, d. h. im Ostseeraum,46 zu den Fundmünzen im Herkunftsraum ähnlich günstig war wie in Oberlotharingien, näm¬ lich 100:40, d. h. nirgends, auch nicht am Niederrhein, wo durch die Normanneneinfälle eine erheblich stärkere Störung der bis 870 stark forcierten Monetarisierung der Wirtschaft erfolgte, oder auch am Mittelrhein,47 erreichte der Geldgebrauch im Alltag vor und nach 1000 einen höheren Grad als in Oberlotharingien; diesen Befund unterstreichen die von Petry erarbeiteten Karten der Geldnennungen in Urbaren des 10. Jahrhunderts bzw. der Inlandsfunde vom Ende des 10. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts. Und schließlich noch eine dritte Beobachtung, die für die Zeit um 1000 wichtig ist: Seit dem letzten Drittel des 10. Jahrhunderts - das Datum steht in unmittelbarem Zusammen¬ hang mit der Belebung des Silberbergbaus in den Vogesen und im Harz - wird „eine interne Ordnung der oberlothringischen Währungsgeographie sichtbar, die im Wechselspiel zwi¬ schen jeweiliger Wirtschaftsmacht und Prägeaktivität die Umlaufzonen der bischöflichen Leitwährungen bestimmen sollte: die Regionalisierung des Geldumlaufs, d.h. die Orientie¬ rung der bischöflichen Prägungen an den jeweiligen Bistumsgrenzen".48 Bis 1130/1150 43 Vgl. seinen Beitrag in diesem Band. 44 Petry, Monetäre Entwicklung (wie Anm. 13) S. 43ff. u. Karte: Auslandsfunde oberlothringischer Mün¬ zen zur Karolingerzeit (751-923). 45 Petry, Monetäre Entwicklung (wie Anm. 13) S. 72ff. u. 104ff. mit den entsprechenden Karten. 46 Für die Verbreitung der Trierer Münzen im Ostseeraum Wei I ler, Trier (wie Anm. 35) S. 149ff. mit Kar¬ ten 1-5. 47 Wolfgang Heß, Münzstätten, Geldverkehr und Märkte am Rhein in ottonischer und salischer Zeit. In: Beiträge zum hochmittelalterlichen Städtewesen, hg. v. Bernhard Diestelkamp (Städteforschung A 11), Köln/Wien 1982 S. 111-133. 48 Klaus Petry, Von der Statik bistumsorientierter Umlaufzonen zur Dynamik fluktuierender Währungs¬ gebiete. Der Geldumlauf in Oberlothringen vom Ende der Karolingerzeit bis um 1300 anhand der Münzfunde. Ein Überblick. In: Les petites villes (wie Anm. 29) S. 403-517, Zitat S. 412. 166