raum Kupfer nach Lotharingien transportiert worden zu sein, wenn man einer Redaktion des Koblenzer Zolltarifs Glauben schenken darf, die Züricher Kaufleute mit Kupfer als Haupt¬ handelsgut belegt.'5 Kaum in der schriftlichen Überlieferung zu fassen, aber wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung müssen die reichen Vorkommen an Bausteinen (Sandstein, Schiefer, Tuffstein, Basalt, Trachyt, Trass), Mühl- und Schleifsteinen gewesen sein, Handelsgüter, deren Verbrei¬ tung uns - wie auch bei der Keramik - vor allem die Archäologen dokumentieren. Ähnlich dürftig sind, sieht man von urbarialen Zeugnissen über Bauholz, Zaunholz und hölzerne Schindeln sowie den Belegen für Ardennen und Vogesen als Jagdreviere15 16 ab, die Nachrich¬ ten über die Nutzung der reichen Waldbestände. Es muß - analog zur Ausweitung des Weinbaus, zur Ausbreitung der ländlichen, der frühstädtischen und städtischen Siedlungen, zur vermehrten Wasserkraftnutzung durch Mühlen17 usw. - auf den Flüssen und Bächen Lotharingiens schon um 1000 eine lebhafte Flößerei gegeben haben. Holz in erheblichem Umfang verbrauchten die Salinen im SeiIlegau, in denen das wirt¬ schaftlich wichtigste Gut gewonnen wurde, das der Boden Lotharingiens barg. Die Bedeu¬ tung des Salzes für die Wirtschaftsentwicklung des oberlotharingischen Raumes im Früh- und Hochmittelalter und auch in späteren Jahrhunderten, für den Aufstieg der Stadt Metz zu einer mittelalterlichen Großstadt mit 25.000-30.000 Einwohnern, für die frühen nichtagrari¬ schen Siedlungen des Seillegaus selbst und für einige Stationsorte des Salzhandels wie etwa Sarrebourg auf dem Weg nach Straßburg, kann kaum überschätzt werden.18 Produktions¬ struktur und Absatzmöglichkeiten vor 1000 lassen sich am besten aus der Prümer Überlie¬ ferung aufzeigen; Prüm gehörte zu einer Vielzahl von geistlichen Institutionen, die Anteile an den Salzvorkommen dieser Region hatten und in ihren Salzpfannen weit über den Eigen¬ bedarf hinaus produzierten.19 Für das in Vic-sur-Seille gewonnene Salz besaß Prüm seit 864 eine kleine Umschlagstelle im Metzer Hafen. Den Transport auf der Mosel besorgten Mitglieder der centena zu Mehring unter der Leitung des grundhörigen Schiffsführers, des gubernator navis, der auch Wein¬ transporte für das Kloster durchführte. Ob und in welchem Umfang er daneben auf eigene 15 Richard Laufner, Der älteste Koblenzer Zolltarif (Mitte 11. Jahrhundert). In: Landeskundl. Viertel- jahrsbll. 10. 1 964 S. 101-1 07; Wolfgang Heß, Zoll, Markt und Münze im 11. Jahrhundert. Der älteste Koblenzer Zolltarif im Lichte der numismatischen Quellen. In: Historische Forschungen für Walter Schlesinger, hg. v. Helmut Beumann, KölnAA/ien 1974 S. 171-193. 16 Besonders ausgeprägt in der wohl im 10. Jahrhundert entstandenen Lebensbeschreibung des Ardennen- Heiligen Gangulf; MGH SSrerMerov. VII, bes. c. 2 S. 158. Zu Jagdpfalzen der Merowinger und Karo¬ linger in den Vogesen vgl. Parisse, Von Austrasien (wie Anm. 4) S. 102. 17 Frühe Hinweise auf die Bedeutung von Wassermühlen liefert das Testament des Adalgisel Grimo (s. oben Anm. 1 ); zur Mühlendichte im hochmittelalterlichen Verdunois vgl. demnächst Frank H i rsch- mann, Verdun im hohen Mittelalter. Eine lothringische Kathedralstadt und ihr Umland im Spiegel der geistlichen Institutionen. Phil. Diss. Trier 1994 (in Druckvorbereitung). 1 8 Die Arbeit von Charles Hiegel, L'industrie du sel en Lorraine jusqu'au début du XVIIe siècle. Thèse de l'Ecole des Chartes, Paris 1960, ist leider ungedruckt geblieben. Vgl. Michel Parisse, Un pays de sei: le Saulnois en Lorraine (XIle-XIIIe siècles). In: Le Sel et son histoire, Nancy 1981 S. 37-48; Racine, La Lorraine (wie Anm. 5) S. 209. 19 Dieter Hägermann u. Karl-Heinz Ludwig, Mittelalterliche Salinenbetriebe. Erläuterungen, Fragen und Ergänzungen zum Forschungsstand. In: Technikgeschichte 51. 1984 S. I 55-1 89. 159