Brumath, offenbar um sich als neuer Herr im Elsaß zu zeigen;25 775 feierte er sogar, wieder¬ um von Diedenhofen anreisend, in der Pfalz Schlettstadt Weihnachten.26 Zwar sind für die Folgezeit keine Aufenthalte Karls des Großen mehr im Elsaß bezeugt, aber die Förderung elsässischer Klöster durch den König ist auffällig intensiv,27 und in Murbach, dem er seine besondere Aufmerksamkeit zuwandte,28 fungierte er im Jahre 793 sogar als pastor noster, als Laien- oder Kommendatarabt.29 Nur noch zweimal weilte Karl nahe dem Elsaß, nämlich 802 in Suega in den Vogesen (Schweigen bei Bergzabern oder bei Weißen¬ burg)30 und 805 in Remiremont am Zusammenfluß der Mosel und Moselotte.31 Nach dem Bericht der Reichsannalen war Karl damals im Juli von Aachen über Diedenhofen und Metz in die Vogesen gezogen, um zu jagen, traf hier in Champ in der Nähe von Remiremont mit seinem Sohn Karl zusammen, der von einem Heereszug gegen die Böhmen zurückkehrte, und begab sich dann nach Entlassung des Heeres für einige Zeit ad Rumerici castellum, bevor er zur Überwinterung wieder Diedenhofen aufsuchte. Damit tritt erstmals Remiremont im Rahmen der karolingischen Herrschaftspraxis ins Blick¬ feld, wobei offenbleibt, ob das Kloster oder die Königspfalz gemeint ist, in deren Mauern zu Beginn der Regierungszeit Ludwigs des Frommen um 820 das Kloster verlegt worden ist.32 Dieses Datum markiert bekanntlich zugleich die Erstanlage des Liber memorialis von Remiremont.33 Es fällt auf, wie oft Ludwig der Fromme, zumeist von Aachen oder Dieden¬ hofen aus, zur Jagd in die Vogesen und nach Remiremont gezogen ist (821, 825, 831, 834, 836),34 während er sich im Elsaß bekanntlich nur einmal aufhielt, im Sommer 833, als er gegen seine hier bei Colmar versammelten Söhne zu Felde zog.35 Das Elsaß erscheint 25 Regesta imperii 1 Nr. 149. 26 Frühere Weihnachtsfeiern Karls sind in Aachen (768), Düren (769), Mainz (770), Attigny (771), Herstal (772), Qierzy (774) bezeugt. Vgl. Regesta imperii 1. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Festaufenthalt in Schlettstadt Gewicht. Zu Schlettstadt vgl. jüngst Th. Zotz, Carolingian Tradition and Ottonian-Salian Innovation: comparative observations on palatine policy in the Empire, in: Kings and Kingship in Medieval Europe. Ed. A.J. Duggan (King's College Medieval Studies 10) 1993 S. 69-100, hier S. 81 f. 27 Sie gilt Murbach, Honau, St. Pilt/Leberau, Ebersheimmünster und Masmünster. Vgl. Büttner, Elsaß (wie Anm. 1) S. 11 8. 28 Er bestätigte dem Kloster in kurzem Abstand 772 (unter Abt Haribert) und 775 (unter Abt Amico) die Immunität. MGH DKarol. 1 Nr. 64, 95. 29 Regesta Alsatiae (wie Anm. 1) Nr. 368. A. Gatrio, Die Abtei Murbach im Elsaß 1. 1895 S. 114 f., Büttner, Elsaß (wie Anm. 1) S. 118 und F. Felten, Äbte und Laienäbte im Frankenreich (MonogrGMA 20) 1980 S. 280 f. 30 Regesta imperii 1 Nr. 390. 31 Regesta imperii 1 Nr. 411 f. 32 Vgl. Remiremont, l'abbaye et la ville. Hg. von M. Parisse. 1980. 33 Vgl. Liber memorialis von Remiremont 1. Hg. von E. Hlawitschka u.a. (MGH Libri memoriales 1) 1970 S. XVI ff. und jetzt K. Schmid, Auf dem Weg zur Erschließung des Gedenkbuchs von Remire¬ mont, in: Festschrift für Eduard Hlawitschka. Hg. von K.R. Schn ith und R. Pan ler. 1993 S. 59-96. Zur Klosterverlegung vgl. E. Hlawitschka, Zur Klosterverlegung und zur Annahme der Benediktsregel in Remiremont, in: ZGORh 109. 1961 S. 249-269. 34 Regesta imperii 1 Nr. 740c, 797a, 894a, 928a, 962b. 35 Regesta imperii 1 Nr. 925b,c. 53