(Deutschland-Redaktion)9 bedient, der zum Leidwesen der Nationalsozialisten an der Saar angeblich besser empfangen werden konnte als Frankfurt oder Mühl¬ acker. Noch auf entsprechende Initiative des Reichskommissars für das Saargebiet, Franz von Papen, war daher die Sendeleistung des Senders Mühlacker am 20. De¬ zember 1933 von 60 auf 100 kW erhöht worden, letztlich als Konkurrenz zur ge¬ fürchteten Straßburger "Saarchronik". Durch Initiative der Industrie- und Handelskammer Saarbrücken hatten die Gerä¬ tehersteller und Radiohändler die Zollkosten (etwa ein Drittel des Verkaufspreises) übernommen, so daß an der Saar aufgrund dieser Verbilligung 14.000 Geräte ver¬ kauft worden waren. Im Sommer 1933 war der sogenannte "Volksempfänger" zum Preise von 76 RM erhältlich, und Ende des Jahres konnte er sogar als Teilzahlungsgeschäft finanziert werden, indem die Elektrischen Werke für den Stromabnehmer den Kaufpreis beim Händler bezahlten und dann in 18 Monatsraten zu 4,40 RM bei einer Anzahlung von 7,25 RM die Schuld mit der Stromrechnung einzogen10. Auch nach der Rückgliederung propagierten die NS-Machthaber "die große kultu¬ relle Bedeutung eines Rundfunksenders", vor allem "seine erhöhte Bedeutung für eine so exponierte Grenzstadt wie Saarbrücken sowie seine Rolle als vermittelnde Brücke zwischen den Kulturen zweier großer Nachbamationen"11, nicht zuletzt 9 Zur "Hetze" des Straßburger Senders: Aktennotiz des AA v. 20.12.1934, Telegr. des AA an die Deut¬ sche Botschaft Paris v. 28.12.1934. AA, Bes. Geb., Straßburger Sender, bzw. nach der Abstimmung, Abhördienst Sender Straßburg v. 15.1,1935. Ebd. Vgl. NSZ-Rheinfront Nr. 51 v. 1.3.1935: "Das Dreigespann berühmter Leute". Der Straßburger Sender v. 28.8.1934 im AB Speyer, BO, NS, Nr. 43, Bl. 15: - Der Bischof von Trier habe 3 Geistliche aus dem Saargebiet ins Reich versetzt, weil sie dem Nationalsozialismus nicht gewogen gewesen seien. - Die "Kirchenfürsten" von Speyer und Trier stünden unter Druck von Berlin. - Der Saarbevollmächtigte Bürckel habe in der Pfalz mehr Geistliche verhaften lassen als sonst im Reich verhaftet worden seien; er sei bekannt wegen seiner antiklerikalen Einstellung. - Plädoyer des Pf. Dörr auf einer Sulzbacher Tagung der antifaschist. Front gegenüber dem franz. Blatt, "Intransegant", für den Status quo. Zur angebl. "Krediteinbuße" des Straßburger Senders im Sommer 1936 s. S.Z. Nr. 165 v. 20.6.1936. Für die "Rote Räte Saar" focht der deutschsprachige Kurzwellen¬ dienst von Radio Moskau. 10 NSZ-Rheinfront Nr. 152 v. 3.7.1935. Nachfolgemodell des sog. "Volksempfängers" 301 war der "Arbeitsfront-Empfänger”, der für den "Rundfünk-Gemeinschaftsempfang" geplant war; Preis ohne Lautsprecher 295 RM. In Anlehnung an den "301"er, im Gedenken an das historische Datum v, 30.1.1933, erhielt dieses Gerät die Typenbezeichnung 1011, um an die historische Rede Hitlers v. 10.11.1933 aus den Siemens-Werken an die gesamte deutsche Arbeiterschaft zu erinnern: J. Goebbels, Nationalsoz, Rundfunk, S. 9f. u. 12f. Vgl. auch: Der Deutsche Rundfunk 1935, H. 35, S. 9fF. 11 NSZ-Rheinfront Nr. 56 v. 7.3.1935: "Rundfunksender Saarbrücken". Goebbels betrachtete die Saar¬ sendungen selbst als Basis des Abstimmungssieges v. 13.1.1935. Vgl. J. Goebbels, Nationalsozialisti¬ scher Rundfunk, S. 12f. Die neue Rolle des Rundfunks kam bereits am 15.1.1935 mit der Übertragung der Verlesung des Abstimmungsergebnisses, Bürckels Meldung über das "Volkstumsbekenntnis" an Hitler, der Rede Hitlers vom Obersalzberg und Goebbels Kommentar aus Berlin zum Ausdruck. Vgl. K. Altmeyer u. HJ. Koch, Unser Sender, S. 21. 586