Während der 15jährigen Zeit der Abtrennung des Saargebietes vom Reich galt die S.L.Z. als Hort katholischer Gesinnung und des Deutschtums3. Das größte Tagesblatt an der Saar, die "Saarbrücker Zeitung", verfocht seit 1918 die nationalen Interessen der vom Reich getrennten Saarländer, deren Chefredak¬ teur (bis März 1933) Arnold Nagel zwar national eingestellt, aber doch nicht par- tei(NSDAP)-ergeben war. Aufgrund scharfer Angriffe gegen die NSDAP war er zuerst beurlaubt4, dann am 5. März 1933 abgelöst worden, worüber die "NS-Saar- front" am 9. März ihrer Freude Ausdruck verlieh5. Drittes, größeres Tagesblatt war die seit 1. März 1934 als "Deutsche Front" er¬ scheinende ehemalige "NSZ-Saar-Front", "die im Angriff klug, rücksichtslos und für jene, die beim Kompromiß herumtorkelten, vorbildlich war"6; sie war hervor¬ gegangen aus dem 1925/26 von Bürckel gegründeten pfälzischen Wochenblatt "Eisenhammer", das bis 1930 bei Gottfried Feder verlegt wurde, dann von Bürckel selbst. Nachdem der "Eisenhammer" aus finanziellen Gründen kurzzeitig einge¬ stellt worden war, erschien bald darauf die "NSZ-Rheinfront (Verleger Gerhard Kuhn), ab 1. März 1935 im Saarland mit mehreren Bezirksausgaben als "NSZ- Rheinfront" und ab 1940 als NSZ-Westmark". Entsprechend der politischen Kampfstellung sprach man im NS-Jargon von einer deutschen Presse bzw. einer deutschfeindlichen Presse (den Status quo-Blättem und den frankophilen Zeitungen); rein zahlenmäßig standen etwa 35 "deutsche" Zeitungen rund einem Dutzend deutschfeindlicher Zeitungen gegenüber, was nicht unbedingt einem gleichen Größenverhältnis zwischen deutscher und Hitler-feindli¬ cher Front entsprach. Zum separatistischen Journalismus zählten die Nationalso¬ zialisten die sozialistische, die kommunistische, die sogenannte autonomistische und auch die katholische Presse. Ihnen allen unterstellte sie mehr oder weniger die 3 LA Saarbrücken, Best. SDV, Nr. 34, 13. Die Haltung ihrer Aufsichtsratsmitglieder (u.a. Bungarten, Schlich) sowie Angriffe gegen sie durch NS-Leute (Spaniol, Dr. König, Dr. Schneider): Ebd. Nr. 12 sowie in den Aufsichtsratsprotokollen: Ebd. Nr. 4. 4 "NS-Saarfront" Nr. 58 v. 9.3.1933: "A.N. beurlaubt!" 5 Vgl. K. Bartz, Weltgeschichte, S. 56. Zu Nagel vgl. S.Z. Nr. 22 v. 23.1.1932: "Orientalische Phantasie" oder Nr. 303 v. 5.11.1932: "Kleinlich und schäbig". 6 K, Bartz, Weltgeschichte, S. 57. Ebenso: "In den ersten Monaten nach der Gründung der Deutschen Front war die Saarpresse ruhiger, etwas zurückhaltend, teilweise etwas passiv, um sich später zum gemeinsamen Angriff zu finden, der im letzten Monat vor der Abstimmung einheitlich erfolgte." Zum Gesamtbild siehe die entspr. Zeitungs-Schaubilder. Ab Gründung der "Dritten" Deutschen Front (1.3.1934) erschienen die meisten Blätter mit dem Zusatz "Organ der Deutschen Front". Zur Entwick¬ lung: NSZ-Rhein-Front - NSZ-Saar-Front - Deutsche Front - NSZ-Rheinfront s. NSZ-Rheinfront Nr. 228 v. 30.9.1937: "Fünf Jahre NSZ' an der Saar" von K. Mages. Am 15.1.1934 hatte Bürckel die "Josef Bürckel-Stiftung" zwecks Aufnahme des Reinerlöses aus seinem Anteil am NSZ-Verlag sowie den damit zusammenhängenden Verlagen gegründet; Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung wurde Leyser. Der ges. Anteil Bürckels an dem Reinerlös der NSZ ging an das Kuratorium mit einem Ober¬ weisungsschlüssel für den V.S.S.H., die Gliederungen der Partei, für soziale Zwecke über Bürckel selbst und Zuweisungen an die Belegschaft und sonstige Notleidende. 552