lung als Badeort gestört, gegen Kaiserslautern spreche dessen Grenzlage67. Doch im RMdl vertrat man inzwischen die Auffassung, daß die ganze Aktion mehr von Bürckel gelenkt als aus Eigeninitiative des Neustadter Bürgermeisters geschehen sei68. Hoffnungen auf einen Gau Kurpfalz machte sich auch der im März 1935 nur un¬ gern aus Hessen scheidende künftige Regierungspräsident in Saarbrücken, Ph. W. Jung, der in seinen "Erinnerungen" die Hoffnung auf baldige Rückkehr ausdrückt, "denn Bürckel ... äußerte, daß bei der nächsten neuen Gau- und Ländereinteilung Hessen südlich des Mains zum Gau Kurpfalz kommen werde"69. Die endgültige Entscheidung, ob Neustadt Sitz der Gauleitung bleiben werde oder nicht, war Mitte März 1935 noch nicht gefallen. Demgemäß riet die Gauleitung auch von infrastrukturellen Maßnahmen vorerst ab70. Die Erörterungen bezüglich der künftigen Reichsreform waren zwar inzwischen durch Hitler verboten worden, doch bemühte man sich in Neustadt weiterhin in dieser Angelegenheit, nun aller¬ dings unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Entwicklung der Westmark. Die kleinere Lösung hieß daher, Neustadt als Sitz der Gauleitung zu belassen; und so versuchte Lederle Anfang März, die von Bürckel bereits früher erhaltene dies¬ bezügliche Zusicherung von der Parteileitung (Braunes Haus) in München bestä¬ tigt zu bekommen. Bürckels Absicht im Frühjahr 1938, Ludwigshafen zum Sitz der Gauleitung zu machen, kam nie zum Tragen; schließlich gingen diese Überlegungen nur im Zuge der Idee einer Reichsreform mit einer eventuellen Zusammenlegung der Speyerer Regierung und der Behörde des Reichsstatthalters ebenfalls in Ludwigshafen ein¬ her, und dazu fehlte aus München und Berlin der nötige Rückhalt bzw. erledigten sich solche Überlegungen mit der Ernennung Saarbrückens am 15. September 1940 durch Bürckel zur "Gauhauptstadt und Aufbaustadt" von selbst. Die künftige Entwicklung legte bekanntlich die Reichsreform und damit die Frage des endgültigen Standortes der Gauleitung ad acta, ebenso die Gaugründung "Kurpfalz". Der Gau Rheinpfalz dagegen erhielt die Saar hinzu, und Neustadt blieb Sitz der Gauleitung bis Kriegsende. Eine Einheit von staatlicher Verwaltung und deckungsgleicher Parteigau-Verwaltung in Saarbrücken hat nie zur Debatte gestanden. 67 Sehr. v. 26,1.1935. Siehe die Denkschrift der Stadt Neustadt vom 9.2.1935. StadtA Neustadt, Nr. 4.017 L, 1771. Auch Dürkheim käme noch in Frage, doch werde damit seine Entwicklung als Badeort gestört; gegen Kaiserslautem spreche dessen Grenzlage. 68 Vermerk v. 6.3.1935. BA Koblenz, Best R 18 Nr. 389. 69 "Erinnerungen Ph. W. Jung, 1930-45". Hess. StaatsA Darmstadt, Abt 0 31 (Pak. unverz.). 70 Sehr. M. Bormanns, München, an das Bürgermeisteramt Neustadt v. 18.3.1935. Ebd 359