starke Position inzwischen geschwächt war35, beweist der Umstand, daß ihm am 8. September 1944 Willi Stöhr36, der ehemalige Adjutant des hessischen Gauleiters Sprenger und Dienstleiter in der Parteikanzlei der NSDAP, als "Bevollmächtigter des Gauleiters und Reichsverteidigungskommissars für den Stellungsbau" zur Überwachung beigegeben wurde37. ln einer geheimen Anordnung wurden am 12. September die Landräte und Ober¬ bürgermeister im Freimachungsgebiet hinter dem Westwall auf die Vorbereitung zur Verlegung ihrer Behörde hingewiesen; im Oktober teilte ihnen Barth dann in einem Schnellbrief mit, daß Speyer "allgemeine Ausweichstelle für die Regierung" und Thüringen Aufnahmegebiet (für die Bevölkerung Lothringens) sei38. Wohl aufgrund einer sachgerechten Lagebeurteilung, und um von den Ereignissen nicht überrollt zu werden, hatte Bürckel versucht, von der Bevölkerung seines Gaues die schärfsten Auswirkungen als Folge der näherrückenden Front abzuwenden. Nicht zuletzt diese reservierte Haltung gegenüber den Durchhalteparolen um jeden Preis hatte zu seiner Bevormundung durch den "Beauftragten für den Stellungsbau", Willi Stöhr, und schließlich zu den mysteriösen Umständen seines Ablebens39 am 28. September 1944 geführt. Nach Bürckels Tod ernannte Hitler durch den Reichsorganisationsleiter, Dr. R. Ley, Willi Stöhr zum stellvertretenden Gauleiter und beauftragte ihn mit der Füh¬ TS . . ... Noch vor Kriegsbeginn war Bürckel zum Freimachungskommissar im Bereich des gesamten Wehrkreises XII (also über seinen Gau hinaus) ernannt worden. Vgl. H.-W. Herrmann, Die Freima¬ chung, S. 64-89, hier S. 66 u. Anm. 9. W. Stöhr, geb. am 6.11,1903 in Wuppertal-Elberfeld, nach Abschluß der Oberrealschule mehljährige kfm. Tätigkeit, Werkstudent mit Studium der Staatswissenschafts- u. Betriebswissenschaftslehre, 1932 Abbruch des inzwischen aufgenommenen Jura-Studiums, in den "Kampfjahren" rühriger SA-Mann und Gauredner des Gaues Hessen-Nassau, 1932 Ortsgruppenleiter in Franfurt/M,, nach dem 30.1.1933 zunächst HJ-Führer, dann Leiter des Reichspropagandaamtes Hessen-Nassau u. Landeskulturverwalter, von 1933-1937 Adjutant des hess. Gauleiters, J. Sprenger, am 16.7.1943 in die Parteikanzlei nach München berufen, Teilnahme am West- und Ostfeldzug. Stöhr galt seit 1945 lange Zeit als verschollen; 1986 nach Kanada verzogen. Berlin Document Center, Pers.doss. Stöhr. NSZ-Westmark Nr. 230 v. 30.9./1.10.1944: "Parteigenosse Stöhr". Vgl. P, Hüttenberger, Die Gauleiter, S. 211. D. Wolfanger, Die nationalsozialistische Politik, S. 95, Anm. 59 u. S. 260. K. Höffkes, Hitlers Pol. Generale, S. 323f. D. Rebentisch, Persönlichkeitsstruktur und Karriereverlauf, S. 317. 37 Weisung Stöhrs v. 8.9.1944. LA Saarbrücken, Best. Mischbestand NSDAP-Westmark. Zu den Aufga¬ ben des Reichsverteidigungskommissars s. die VO über die Reichsverteidigungskommissare und die Vereinheitlichung der Wirtschaft v. 16.11.1942. RGBl. S. 649 u. LA Saarbrücken, Best. Bundes- bzw. Reichsbahndirektion Saarbrücken, betr. Ar (bes. i. Bereich der Reichsbahnangelegenheiten). 38 Schnellbriefv. 12.10.1944. BA Koblenz, Best. R 83, Nr. 9, Bl. lOf. Vgl. S.Z. v. 7./8.5.1970: "Ein Vier¬ teljahrhundert saarländischer Geschichte" von H.-W. Herrmann. 39 D. Wolfanger, Die nationalsozialistische Republik, S. 254 u. 257f.; Person u. pol. Werdegang Bürckels, S. 16-35, V. Rödel, Die Behörde, S. 312. 333