läufige Verwaltung des Saarlandes"4 vom 22. Februar 1935 gliederte das Reichs¬ kommissariat in drei Abteilungen, Da war zuerst Bürckels allgemeiner Vertreter und Leiter der Hauptabteilung I und besonderer Leiter der Unterabteilung IA, der Regierungspräsident Philipp Wilhelm Jung5 (evang.). Er stammte aus Niederflörsheim bei Worms, wo er am 16. Sep¬ tember 1884 als Sohn des Volksschullehrers A. Jung geboren wurde. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Worms studierte er in Heidelberg. München und Gie¬ ßen Rechtswissenschaft. 1912 ließ er sich als Rechtsanwalt in Worms (bis 1933) nieder, Nach dem I. Weltkrieg, den er zuletzt als Batteriefiihrer im Landwehr- Feldartillerie-Regiment 13 mitmachte, tat er sich während der Besatzungszeit ge¬ gen die Separatisten hervor. Als Mitglied der NSDAP seit 1930 hatte er der natio¬ nalsozialistischen Bewegung eine Reihe von Jahren treue Dienste geleistet; am Aufbau der Partei in Hessen war er führend beteiligt und hatte sich als Verteidiger von Nationalsozialisten in zahlreichen Prozessen zur Verfügung gestellt. Von 1926 bis 1933 war er Stadtrat in Worms; am 8. Dezember 1931 zog er als Abge¬ ordneter der NSDAP in den hessischen Landtag, wo er Vorsitzender des Gesetzge¬ bungsausschusses wurde. Ab 13.03 war er Staatsminister und Landtagspräsident in Darmstadt, gleichzeitig vom 15. März - 13. April 1933 übte er das Amt des kom¬ missarischen Oberbürgermeisters der Stadt Mainz aus6. Am 15. Mai 1933 erfolgte die Ernennung des Staatskommissars Jung zum hessischen Staatssekretär (Leitung der Ministerialabteilung I und III für Arbeit und Wirtschaft sowie des Personalam¬ tes) und stellvertretenden Staatsminister durch den Reichsstatthalter und Gauleiter J. Sprenger, um dann am 18. September 1933 unter Streichung aller Ministerstel¬ len zum (alleinigen) "Staatsminister und Vorsitzenden der Landesregierung von Hessen" ernannt zu werden; er übernahm damit die Nachfolge von "Ministerprä¬ sident und Staatsminister von Hessen" Prof. Dr. Ferdinand Werner (NSDAP, Min.Präs. seit 13. März 1933), der von Sprenger zugunsten des ihm ergebenen Jung ausgebootet worden war. Ab März 1935 (Ernennungsurkunde vom 28. Februar 1935) war er Regierungs¬ präsident in Saarbrücken, - bis 16. April 1940, als er zum allgemeinen Vertreter des Reichsstatthalters in der Kommunalverwaltung in Wien anstelle des vorgese¬ 4 RGBl. 1935 I, S. 223 unter Berufung auf § 8, Gesetz v. 30.1.1935 (RGBl. I, S. 66). Vgl. auch die 2. DV v. 15.7.1935 (RGBl. I. S. 1.020, Preuß. Ausführungsbestimmungen für die Anwendung reichs¬ rechtlicher Vorschriften im Saarland). Zu den 5 Abteilungen des Reichsinnenministers vgl. BA Koblenz, Best, R 43 1/257, Bl. 36ff., geändert am 22.2.1935 gemäß Vermerk von MR Gossel. Ebd. Best. R 2, Nr. 12.256. 5 Nicht zu verwechseln mit Walter Jung, dem 1. Gauleiter der NSDAP-Saar 1926 oder Jakob Jung, dem Führer der Saarbrücker Ortsgruppe. Ph. W. Jung war nach dem Krieg Zeuge in dem Spruchkammerver¬ fahren (XIII/V/P/2.766/48) gegen Skorzeny in Frankf./M. Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltung, Ludwigsburg. Angaben größtenteils nach seinem Nachlaß. Hess. StaatsA Darmstadt, Abt. 0 31 u. Abt. G 5, Nr, 85. Weitere Personalien im LA Saarbrücken, Best. Einzelstücke, Nr. 100. 6 Br. Funk u. W. Jung, Das Mainzer Rathaus. Ferner: Telef. Auskunft StadtA Mainz. In einigen Publikationen fälschlich "Landtagspräsident Mainz". 215