Staat bei den Übemahmefeierlichkeiten am 1. März militante Präsenz, denn sowohl Eh¬ renstürme der SS und SA als auch AD-Ehrenformationen nahmen daran teil. Was die Stärke militärähnlicher Verbände bereits zum Zeitpunkt der Abstimmung anbelangt, so behauptete Max Braun am Jahrestag der Saarabstimmung 1936, der Kommandant der schwedischen Saar-Truppe habe einem führenden Mitglied der Regierungspartei seines Landes gegenüber behauptet: "Es befinden sich (bereits am 13. Januar 1935) nach unseren Informationen rund 35.000 SA- und SS-Leute getarnt in (sic) der Saar, denen gegenüber unsere insgesamt 4.000 Mann starke gemischte Truppe einen schweren Stand haben würde, wenn es zum Ernstfälle käme. "26 Die Französische Regierung legte auch nach dem 1. März 1935 großen Wert dar¬ auf, daß das Eisenbahn- und Landstraßennetz ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entwickelt werde. Sie behielt sich vor, diesen Standpunkt künftig auf diplomatischem Wege bzw. durch die in den Verträgen vorgesehenen Ver¬ fahrensarten zur Geltung zu bringen. Doch spielte das Problem der entmilitarisier¬ ten Saar nach der Übernahme durch die Nazis insofern kaum mehr eine Rolle, als die französischerseits gemachten Auflagen und deutschen Zusagen in der Folgezeit immer weniger beachtet wurden und die Entmilitarisierung des gesamten linken Rheinufers schon ein Jahr später aufgehoben wurde. Nur in einzelnen Fällen scheint auf die besonderen Verhältnisse der entmilitarisierten Zone Rücksicht ge¬ nommen worden zu sein. So hatte der Reichs- und Preußische Minister des Innern für die Abhaltung eines Appells der ehemaligen Angehörigen des früheren XV., XVI. und XXI. Armeekorps bei einer Veranstaltung des "Haeseler-Bundes" vom 22.-27. Mai 1935 in Saarlouis ein Verbot ausgesprochen. Die Regierung der Pfalz begründete bei verschiedenen pfälzischen Dienststellen diese Maßnahme mit der Unvereinbarkeit mit der gespannten außenpolitischen Lage; das gleiche gelte für Veranstaltungen der SA, der SS und der Verbände ehemaliger Soldaten in der entmilitarisierten Zone26 27. Am 7. März 1936 teilte Hitler dem Reichstag mit, daß die Reichsregierung den Si¬ gnatarmächten des Locarno-Vertrages ein Memorandum überreicht habe, das dar¬ lege, daß durch das französisch-sowjetrussische Bündnis der Rheinpakt von Lo¬ carno (1925) verletzt sei und sich Deutschland somit nicht mehr an den Pakt ge¬ bunden halte. Die Wehrhoheit des Reiches wurde auch im Saarland wiederher¬ gestellt, das zum gleichen Zeitpunkt wie das Rheinland von deutschen Truppen be¬ setzt wurde (wodurch der Locarno-Vertrag durch das Deutsche Reich ebenfalls verletzt wurde). Die Wiederherstellung der Wehrhoheit Deutschlands brachte auch für die Landesbefestigung der Saar eine Reihe von Neuerungen, die sich im Grenz¬ raum entsprechend auswirkten. Bereits am 12. März 1936, also nur wenige Tage nach der vollzogenen Besetzung der Rheinlande, beauftragte das OKH die Inspek¬ tion der Westbefestigungen mit dem Ausbau von Sperrbefestigungen und der Durchführung von Sperrvorbereitungen an den Saarübergängen. Die Bauausfüh¬ 26 Pariser Tageblatt v. 13.1.1936. Ebd. Bd. 6. 27 Sehr, der Reg. der Pfalz v. 4.6.1935 (mit Hinweis auf den Widerspruch zum geheimen Runderlaß des Reichsministers des Innern v. 13.12.1934. LA Speyer, Best. Bez.Amt Kusel, Nr. 1.416 III, Bl. 5. 163