Teil des Saargebietes, während es in den zur Pfälzischen Landeskirche gehörenden Gemeinden ruhig blieb16. Aber nicht nur auf kirchlicher Seite vermieden die zuständigen Gremien und Per¬ sönlichkeiten einen Konfrontationskurs zum NS-Staat, auch bei den erklärten Gegnern einer rückgliederungsfreudigen Politik bestand Uneinigkeit über den ein¬ zuschlagenden Weg bzw. störte das Profilierungsstreben führender Köpfe eine ge¬ meinsame Haltung. Innerhalb des sozialistischen Lagers bestanden Spannungen zwischen dem Parteivorstand (Sopade), der nach der Zerschlagung der Gewerk¬ schaften (2. Mai 1933), der vorausgegangenen Verhaftung von Funktionären, der Vermögensbeschlagnahmung und des Verbots der SPD nun von Prag aus agierte, und der SPD/S mit ihrem Vorsitzenden Max Braun, der unter diesen Umständen die Chance nutzen wollte, als eigenständige Parteiorganisation der Sozialistischen Arbeiter-Internationale beizutreten. Als "Sozialdemokratische Landespartei des Saargebietes"17 war die Partei aus dem Parteitag vom 12. November 1933 in Saar¬ brücken hervorgegangen. Wurde auch das Ziel zur Aufnahme in die SAI nicht er¬ reicht, so gelang doch die Verselbständigung, die Profilierung Brauns und die Ausrichtung des Abstimmungskampfes unter seiner Führung. Doch gerade diese Umstände hatten vom September 1933 bis Mai 1934 (Affaire Ernst Klopfer18) der Deutschen Front die Möglichkeit geboten, die Spannungen innerhalb der SPD/S (die Gruppe um Braun mit Emil Kirschmann bzw. die Gruppierung um Julius Schwarz, Valentin Schäfer mit den Emigranten Beyer und Sollmann sowie Emst Klopfer, die der Sopade und vor allem Otto Wels nahe standen) für ihre Zwecke zu nutzen. Erst mit dem Frühjahr 1934 war die Sopade weitgehend ausgeschaltet, und die SPD/S mit Max Braun, der inzwischen unangefochten zum "Führer der antifa¬ schistischen Front im Saargebiet"19 avanciert war, leitete maßgebend die soziali¬ stische Bewegung20. Frankreich, das nach dem Vertrag von Versailles angetreten war, das Saargebiet nach 15 Jahren sowohl wirtschaftlich als auch politisch für sich zu gewinnen, hatte seine Ziele inzwischen zurückgesteckt. Entmutigt durch die Erfahrung mit dem Saarbund, der Association Française de la Sarre und durch den Fehlschlag der zu den Kreis- und Gemeinderatswahlen 1932 gegründeten "Unabhängigen Arbeiter¬ und Bürgerpartei" hatte es sogar sein Minimalziel, Anspruch auf einen Gebiets¬ streifen links der Saar, auf das Wamdtgebiet und den Saarlouiser Gau, aufgegeben und war in den Verhandlungen Ende 1934 über die wirtschaftlichen Modalitäten der Rückgliederung des Saargebietes von diesem Umstand bereits ausgegangen. Zwar war in der französischen Saarpolitik nach Hitlers Machtergreifung eine Neu¬ orientierung erfolgt in Bezug auf eine Unterstützung der Status quo-Gruppen; in 16 Ebd. S. 49, Anm. 2. 17 "Deutsche Freiheit" v. 14.11.1933: "Europa spricht an der Saar". Vgl. P. v.z. Mühlen, "Schlagt Hitler an der Saar!", S. 85-89. 18 Ebd. S. 88f. 19 "Deutsche Freiheit" v. 10.8.1933: "Österreich und Saar". 20 P. Siegmann, Vor vierzig Jahren, S. 275. 136