auf Dauer nicht befriedigen. Erst am 7. Mai 1934 beschloß das XII. Ekkiplenum: "Der Kampf, vor allem der KP Deutschlands, um ein selbständiges Saarland und gegen den Anschluß an das Dritte Reich, der Kampf gegen die Rückgliederung, ist somit ein Teil des Klassenkampfes."13 Eine nicht unwesentliche Bedeutung bei der Errichtung der Einheitsfront an der Saar kommt Männern wie Herbert Wehner zu. Wehner, KP-Mitglied seit 1927, vor die Entscheidung zwischen Sozialismus in einem Land oder Weltrevolution ge¬ stellt, favorisierte den Stalinschen Versuch, in einem Land anzufangen. 1931 hatte er, nachdem er innerhalb der Partei über verschiedene Wahlämter aufgestiegen war, auf Beschluß der Partei sein Mandat als sächsischer Landtagsabgeordneter, das er seit 1930 innehatte, niedergelegt. Er war als Parteibediensteter nach Berlin gegangen und agierte seit 1933 im Untergrund, richtete geheime Druckereien ein, organisierte illegale Treffs und betätigte sich aktiv innerhalb der kommunistischen Widerstandsorganisation gegen das NS-Regime; dabei bereiste er auch das Aus¬ land und wurde nach seiner Verhaftung 1935 in Prag über Polen in die Sowjet¬ union abgeschoben. Durch seine Agitation hat er sicherlich dem NS-Regime direkt geschadet, zumin¬ dest aber als geistige Stütze für die Saar-Kommunisten gedient14, die ihren Par¬ teizielen weiter treu geblieben und nicht dem Werben der Nationalsozialisten erle¬ gen waren, was sich in Austritten aus der KP bzw. in Eintritten in die NSDAP be¬ merkbar machte und von den Nazis zu spektakulären Propagandaerfolgen umge¬ münzt wurde. Speziell an der Saar waren die Vertreter der Kommunistischen Op¬ position, Philipp Reinhard, Ernst Becker und der Stalinist Karl Ulrich in Ludwei- ler, zur Deutschen Front übergetreten. Indirekt dürfte Wehner insofern mit Saar- Kommunisten zusammengearbeitet haben, als Saarbrücken 1933/1934 gewisser¬ maßen zu einer Zentrale der illegalen Tätigkeit der KPD ausgebaut worden war; hier bestanden eine sogenannte "Durchgangsstelle" und ein "Reichstechnikum" als illegale Funktions- und Schaltstellen der KPD, und Wilhelm Piecks "Rote Hilfe" unterstützte verfolgte Kommunisten von Saarbrücken aus. Zahlreiches kommuni¬ stischen Propagandamaterial wurde hier gedruckt und über die französische Gren¬ ze weiterbefördert. Für zahlreiche illegale antifaschistische Zeitungen der KPD wurden in der Saar-Nahe-Druck AG in Saarbrücken, auch noch nach der Rück¬ gliederung, Agitationsblätter gedruckt. Mit all diesen Maßnahmen wurde auf KP-Seite der Prozeß zur Errichtung der Einheitsfront eingeleitet, aber bis zur Abstimmung blieb nur noch ein halbes Jahr. Zu diesem zeitlichen Faktor traten eine Reihe weiterer Momente hinzu, die einen Mißerfolg der Status quo-Altemative, auch im Zeichen der "Einheitsfront", vor¬ programmierten. Dazu zählten sicherlich die nicht einkalkulierte Zerschlagung des 13 Zit. ebd. S. 92. Zur Errichtung der Einheitsfront s. L. Bies, Klassenkampf, S. 92-129. 14 Vgl. H. Frederik, Gezeichnet vom Zwielicht seiner Zeit, S. 111. Zu illegalen Blättern, s. X. Kap. 1. nach Anm. 43. Eine direkte Verbindung Wehners zu den Aktionen an der Saar ließ sich an Hand der Mate¬ rialien zu H. Wehner im Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn nicht nachweisen. S. dazu I. Kap. 5.1., Anm. 80. 128