Die in Bonn sitzende Abwicklungsstelle der Preußischen Bergwerksdirektion Saarbrücken erhielt ihre Informationen von ihren Verbindungsleuten unter den saarländischen Bergbeamten und -arbeitem. Von hier konnte die Reichsregierung wertvolle Unterstützung für die vor der Rückgliederung geführten Verhandlungen von Rom erhalten. In gleicher Weise wirkten drei reichsdeutsche Behörden mit Sitz in Saarbrücken: der Delegierte des Reichskohlenkommissars, der Delegierte des Reichswirtschaftsministers und der deutsche Finanzkommissar für das Versor¬ gungswesen im Saargebiet (1921 vom RAM eingesetzt). Eine enge Zusammenarbeit mit dem preußischen Saarvertrauensmann pflegte der 1929 vom Generaldirektor der preußischen Staatsarchive zur Verwaltung des Stadtarchivs Saarbrücken eingesetzte Dr. Georg Wilhelm Sante27; sein im Auftrag des Reiches zu leistendes Kulturschaffen stellte er gleichfalls in den Dienst der Deutschen Front. Santés Reichstreue bezeugt sein Bericht28 als Schriftführer der Saar-Forschungsgemeinschaft vom 12. August 1933 über die Doktorarbeit von Henri Chini, "Le Retour éventuel de la Sarre à l'Allemagne vu par les Allemands", an das AA in Berlin. "Wir gewinnen", so schrieb Dr. Sante, "einen französischen Zeugen für die Richtigkeit der deutschen Auffassung, denn Chini kommt zu dem Schluß, die Saarländer wären Deutsche nach Nation, Sprache, Sitten, und wenn sie nur ihrem Herzen folgten, stimmten sie alle für Deutschland"29 Die Reunion mit Frankreich wäre eine unwahrscheinliche Hypothese, die Aufrechterhaltung des ge¬ genwärtigen Zustandes ließe sich schwer begreifen, ein selbständiges Saargebiet sei kein lebensfähiger Staat. Also müsse man mit der Rückgliederung rechnen, und sie erfordere einen friedlichen Ausgleich zwischen Deutschland und Frankreich. Zahlreiche Kontakte halbamtlichen Charakters von Saarverbindungsleuten, spe¬ ziell zur Nachrichtenbeschaffung aus dem Saargebiet, bestanden zur Gestapo bzw. zur Staatspolizeistelle Trier. Genauestens regelte der Runderlaß des Preußischen Innenministers vom 11. September 1933 die entsprechenden Zuständigkeiten, re¬ spektive die Verbindung preußischer Behörden nur noch mit Personen, die von der 27 Prof. Dr. G.W. Sante (3.10.1896 - 11.3.1984), zuletzt Leiter des Hess. HStA in Wiesbaden, bis zu sei¬ ner Pensionierung 1961; begann als wiss. Archivar 1928 dortselbst; 1929 Abordnung nach Saar¬ brücken; seine Aufgabe war es, im Saargebiet das Archivwesen und die wiss. Forschung seitens der preuß. Archivverwaltung zu koordinieren. Nach der Rückgliederung - Rückkehr nach Wiesbaden (ab 1.4.1935). Im Zweiten Weltkrieg vorwiegend als Ref. für den Archivschutz beim Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich tätig. 1947 Leiter des Hess. HStA Wiesbaden; daneben ab 1948 Ref. für das hessische Archiv- und Bibliothekswesen im hess. Kultusministerium. Zum Lebensweg und zur Tä¬ tigkeit in der Saarl. Forschungsgemeinschaft s. Hess. HStA, Abt. 1.150, Nachlaß G.W. Sante. Ebenso Lebensweg und Nachrufe von W.-H. Struck, in: "Der Archivar", 37, 1984, Sp. 175-180 u. F. Geisthardt, in: "Nassauische Annalen", 95, 1984, S. 460. Vgl. ferner F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 42f. 28 Ber. von G.W. Sante v. 12.8.1933 an das AA. AA. Best. Pol. Abt. II, Bes. Geb., Sg., betr. Die Rück¬ gliederung des Saargeb., Bd. 11. 70 Ber. v. 12.8.1933, ebd. 115