geradezu unverantwortlich sei, daß das Saargebiet, das doch nach Geschichte und Volksgemeinschaft zu Deutschland gehöre, nicht dahin zurückkehre121. Aufmuntemde Schützenhilfe zum Widerstand verschiedener saarländischer Geist¬ lichen kam von der linken Presse. Die von deutschen Emigranten 1933 gegründete und von Sozialisten redigierte Wochenzeitung "Westland" stellte Mitte Januar 1934 fest, daß der Abschluß des Konkordats zwischen dem Vatikan und der Hitler- Regierung keine Entspannung gebracht habe, denn die Terrorwelle gegen die Geistlichkeit, gegen ihre bestehenden Organisationen, ihre Presse und ihre Politi¬ ker halte an122. Unter Hinweis auf den Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe mit seiner scharfen Verurteilung nationalsozialistischer Thesen wurde auch auf die bedeutende Aufgabe hingewiesen, die hier "dem Katholizismus außerhalb der Reichsgrenzen" erwachse: "Die kalte Ungerührtheit, mit der der offizielle Katho¬ lizismus an der Saar die Streiche, die seine Glaubensbrüder im Reich treffen, hin¬ nimmt, wird nur übertroffen durch den Mangel an Energie und Kampfgeist gegen¬ über einer Entwicklung, die ihm unvermeidlich das gleiche Schicksal bereiten wird."123 Wie sehr sich die katholische Geistlichkeit um Aussöhnung bemühte, kam auch in dem Schreiben Dr. Schlichs vom 27. September 1934 im Namen der katholischen Geistlichen des Saargebietes zusammen mit Johannes Müller für die katholische Jugend des Saargebietes zum Ausdruck, als unter Bezug auf die erneuten Verhand¬ lungen über die Ausfiihrungsbestimmungen des Konkordates darauf hingewiesen wurde, daß "eine nochmalige Enttäuschung durch weitere Hinauszögerung oder ein unbefriedigendes Ergebnis ... für die deutsche Sache im Saargebiet bestimmt von großem Schaden" sein werde124. Wohl aus Sorge, in das Fahrwasser des von der Deutschen Front veranstalteten Hurra-Patriotismus1 hineinzugeraten, aber auch unter dem Hinweis zur Beachtung der vom Trierer Generalvikariat an einzelne Pfarrer, die sich offen zur Rückgliederung bekannt hatten, herausgegebenen An¬ weisung zur Mäßigung125, forderten einzelne Saargeistliche ein allgemeines Ver¬ bot politischer Betätigung von Geistlichen126. Die größte Verwirrung wurde erst durch den Erlaß der Bischöfe von Trier und Speyer127 vom 12. November 1934 mit dem Verbot der politischen Betätigung der Geistlichen ausgelöst. Daraufhin verwahrten sich in einer in der Saarbrücker Zei¬ tung am 4. Januar 1935 veröffentlichten "Erklärung der katholischen Geistlichkeit 121 Ebd. Nr. 51, Bl. 92. 122 Westland Nr. 3 v. 20.1.1934: "Die Katholiken an der Saar". 123 Ebd. Nr. 3v. 20.1.1934. 124 M. Zenner, Parteien, S. 404, Anl. 21, Abdruck der entsprechenden Abschrift im BA Koblenz R. 31/255. 125 AB Trier, Abt. 59, Nr. 39. Vgl. F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 146. 126 Eingaben an Dr. Schlich v. 5.10.1934. AB Trier, Abt. 59, Nr. 39. Das Gegenteil bewies z.B. die Grün¬ dungsversammlung einer neuen, kath. Separatist Partei (Kulturbund) am 30.11.1934 im kath. Vereins¬ haus in Saarbrücken (Teilnehmer: Pf. J. Mühl, Medelsheim, mit weiteren Gemeindemitgliedem). LA Speyer, H 38, Nr. 1.416 II, Bl. 2. 127 H. Müller, Kath. Kirche Nr. 163. 95